Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (Joh 14,23)

Lightkeeper (Band 1)

Zwei Jünger von Johannes dem Täufer kommen zu ihm in den Kerker und berichten von dem Wunder in Nain. Johannes weiß natürlich, dass Jesus der Messias ist, Gott hat es ihm vom Himmel herab gesagt. Trotzdem schickt er sie nun los, ihn zu fragen: „Bist du der, der kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Jesus zieht mit seiner Gefolgschaft weiter, um in der Stadt Nain das Evangelium zu verkündigen. Auf dem Weg begegnet ihnen ein Trauerzug. Der einzige Sohn einer Witwe ist gestorben. Das war damals doppelt bitter. Es gab noch keine gesetzliche Rente, die Versorgung einer alleinstehenden Frau war nur durch das Gesetz des Moses geregelt, was, da der Glaube der Menschen zu allen Zeiten schwach war, für diese Frau für den Rest ihres Lebens bittere Armut bedeutete, falls sie nicht reich war. Das waren aber die wenigsten in Israel.

Jesus erkennt die Not.

„Herr, bemühe dich nicht; denn ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst! Darum hielt ich auch mich selbst nicht für würdig, zu dir zu kommen; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund!“ (Joh 7, 6+7)

Jesus kommt nach Kapernaum. Es hat sich herumgesprochen, dass er Menschen heilt und so schickt ein römischer Hauptmann nach ihm, denn ein Knecht liegt im Sterben. Das ist an sich schon etwas Besonderes. Ein Knecht ist ein Leibeigener im Grunde also ersetzbar wie ein Wagen oder ein Werkzeug. Dem Hauptmann ist dieser Untergebene aber persönlich wichtig – so wichtig, dass er nicht irgendjemand zu Jesus schickt, damit er nicht selber gehen muss, nein, er schickt die Ältesten der Stadt, also gewissermaßen den jüdischen Gemeinderat von Kapernaum. Da er ihnen den Bau der Synagoge bezahlt hat, tun sie ihm auch gerne den Gefallen. Dass Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten, andere Menschen nach ihrem Geld und den Gefallen, die sie einem damit getan haben einschätzen ist dagegen nichts Besonderes. Jesus warnt davor aber an dieser Praxis hat sich bis heute nichts geändert.

Wir können also annehmen, dass Jesus nicht mitgeht, weil ihn die Ältesten darum bitten, sondern weil der Hauptmann für seinen Knecht bittet. Doch als dieser hört, dass Jesus tatsächlich kommt, kann er es nicht fassen und schickt ihm Freunde entgegen. Er sei es nicht würdig, dass der Herr in sein Haus komme, so der Hauptmann. Aber wenn er doch einfach nur ein Wort spräche, so würde sein Knecht gesund.

Jesus heilt den Knecht und staunt über den Hauptmann: „Einen so großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“

Die Geschichte trifft den Nagel auf den Kopf. Die Menschen haben sich von Gott abgewandt und tragen heute die Konsequenzen für ihre selbstverschuldete Gottlosigkeit. Wir sind der Gnade Gottes nicht würdig. Und doch verlangt Gott von uns nicht mehr als Vertrauen in ihn um uns wieder als seine Kinder anzunehmen – mehr noch: Er tilgt die von uns angehäufte Schuld, damit wir uns als freie Menschen für ihn entscheiden können.

Joh 7, 1-10 >>

„Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ (Lk 6,41)

Jesus erklärt in Gleichnissen, wie wir Menschen sind. Anknüpfend an den Aufruf, nicht über andere zu urteilen zeigt er an den heutigen Gleichnissen, dass wir unsere eigenen Probleme im Auge behalten und uns vorrangig darum kümmern sollen. Da gibt es genug zu tun.

Die goldene Regel – positiv formuliert, so beginnt der heutige Abschnitt. Jesus erklärt, wie sich die Menschen verhalten, die ihm wirklich nachfolgen: In allen ihren Handlungen wird die Gnade Gottes sichtbar, die er ihnen zuvor hat zuteilwerden lassen. Gott wird es ihnen am jüngsten Tag noch einmal und noch großzügiger vergelten als zuvor.

Jesus beginnt die Ausbildung der Apostel gleich mit der schwersten Lektion. Er erklärt ihnen und der großen Menschenmenge, die staunend und wartend dastehen:

Wer steht im Zentrum des Interesse Gottes?

„Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende!“ (Mt 9, 37+38)

Jesus weiß, dass er sein Werk auf Erden beginnen und – viel später – beenden wird. In der Zeit dazwischen braucht er „Erntehelfer“. Darum wählt er sich aus den Menschen, die ihm bereits in dieser frühen Phase seines Wirkens folgen zwölf aus, die er in den nächsten drei Jahren zu Vorarbeitern ausbilden wird. Judas Ischariot ist auserwählt, die Geschichte überhaupt erst loszutreten indem er die Prophezeiung erfüllt und ihn verrät. Der Ärmste weiß nichts von seinem bitteren Schicksal.

„Der Sohn des Menschen ist auch Herr über den Sabbat“ (Lk 6, 5)

Wir können ganz sicher sein, dass Jesus wie jeder Jude der damaligen Zeit die Tora und deren Auslegung in- und auswendig konnte. Das Gesetz verbietet am Sabbat jegliche körperliche Tätigkeit, da Gott am siebten Tag der Schöpfung ruhte und dies auch so seinem Volk befohlen hat.

Es ist damit absolut verständlich, wenn sich Pharisäer und Schriftgelehrte darüber aufregen, wenn sich er und seine Jünger am Sabbat Essen auf dem Feld organisieren (Lk 6, 1) oder wenn Jesus an diesem Tag in der Synagoge einen Kranken heilt (Lk 6, 10). Die Gelehrten wissen es einfach besser!

Auf dem Weg sammelt Jesus noch den Zöllner Levi ein und fordert ihn auf, ihm nachzufolgen: einen Zöllner! Die waren im besetzen Israel noch verachteter als die Aussätzigen und das meist zu Recht. Zöllner hatten die Aufgabe Steuern und Abgaben für Rom einzutreiben und sie taten das mit großem Eifer. Dabei hatte sich dann auch schnell ein neues Geschäftsmodell entwickelt: Die Zöllner schlugen auf die von Rom geforderten Abgaben einfach eigene, selbst erfundene Gebühren drauf und bereicherten sich so an ihren Landsleuten. Ein verabscheuungswürdiges Pack also – und Jesus zeigt offensichtlich Sympathie gegenüber diesem Zöllner. Wir können uns lebhaft vorstellen, was in den Menschen vorgeht, die das beobachten.

Nun lehrt Jesus in einem Haus oder einer Synagoge und natürlich sitzen Pharisäer und Schriftgelehrte in der ersten Reihe. Diese sind von überallher gekommen, um den neuen Prediger, der sogar Heilkräfte besitzt, zu hören. Da ist kein Durchkommen mehr für einen Gelähmten, der von seinen Freunden auf einer Trage hergebracht wurde.

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