Denn die Erde wird erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. (Hab 2,14)

Galater 4 räumt auf mit christlichen Ritualen, lange bevor es diese gab. Das Christentum als solches zeigt Strukturen einer Religion obwohl der Glaube an Jesus Christus keine Religion ist. Ist das Christentum daher eine Irrlehre?

Auch wenn Gott allen Menschen seine Gnade ganz ohne Bedingungen anbietet, wird man nicht als erwachsener Christ geboren. Wenn wir das Verhalten vieler Christen im Alltag beobachten, sehen wir, dass manch ein Christ niemals erwachsen wird. Insofern ist es sinnvoll, die Entwicklung eines Menschen zum mündigen Christen mit Regeln und Ritualen zu strukturieren. Erziehung ist eine Notwendigkeit. In der Frühphase des Christentums war sicherlich auch Umerziehung von Götzenreligionen eine Triebfeder, woraus sich begründen lässt, warum sich die christlichen Feste mehr an den heidnischen Traditionen orientiert, denn am jüdischen Jahreskreis.

Dennoch muss uns bei jedem Schritt innerhalb dieser Strukturen klar sein: Es handelt sich bei der christlichen Tradition – sei es nach katholischer, evangelischer oder irgendeiner anderen Lesart – nur um ein von Menschen geschaffenes Bildnis, das auf die eine Wahrheit, auf Jesus Christus hinweist. Religionslehre in der Schule ist daher auch niemals Erziehung zum Glauben, der nur von Gott geschenkt werden kann, sie hat den Zweck, die Heranwachsenden mit den religiösen Traditionen und ihren Hintergründen vertraut zu machen. In Zeiten, in denen die Frohe Botschaft nicht mehr automatisch innerhalb der Familien verkündet wird, in denen die Einzelnen also nicht mehr ihre Verantwortung, ihre Berufung zum Priestertum annehmen, halte ich daher die Religionslehre für ein wichtiges Fach – auch wenn es von den allermeisten Kindern und deren Eltern gewiss anders gesehen wird, zum Leidwesen vieler gestresster Religionslehrer.

Trotzdem: Religionslehre lehrt nur die Religion und das ist nur dann sinnvoll, wenn die Religion zur Freiheit im Glauben erzieht, also bestrebt ist, sich selbst überflüssig zu machen. Die Kirche ist der Leib Christi und sie schart sich einzig um ihr Herz, das ist Jesus niemand und nichts sonst. Wenn das aus den Strukturen heraus absolut klar und unmissverständlich ist, dann ist die christliche Religion ein äußerst nützliches Hilfsmittel und keine Irrlehre. In vielen Entwicklungen der letzten beiden Jahrtausende sehe ich aber durchaus eine Gefahr, dass Menschen versuchen, die christliche Religion als Ersatz für den christlichen Glauben zu etablieren. Zu oft wird der „Glaube an die christliche Kirche“ (Apostolisches Glaubensbekenntnis) nicht mehr als Glaube an den Leib Christi, in dem alle Gläubigen durch ihren Glauben mit Christus vereint sind, sondern in den Äußerungen und Handlungen als Glaube an die Strukturen, Traditionen und Rituale der kirchlichen Organisationen dargestellt. Dieser Teil ist Irrlehre und Paulus hat bereits im Jahr 50 davor gewarnt.

Über alle Irrungen und Wirrungen der letzten beiden Jahrtausende hinweg halte ich auch den Papst als Nachfolger des Petrus für sinnvoll und notwendig. Er stellt die zentrale Instanz dar, ist gewissermaßen ein Leuchtturm in den Stürmen und Gezeiten der Welt. Die Gläubigen können sich an ihm orientieren, auch wenn sie in einzelnen Punkten vielleicht nicht immer direkt auf ihn zufahren. Der Papst ist der Leuchtturm, fest verankert auf dem Fels Petrus – er ist nicht der Vertreter Gottes auf Erden. Unser aktueller Papst Franziskus bringt diesen feinen Unterschied nach meinem Empfinden sehr gut rüber.

Paulus hat in Galater 4 – und aufmerksame Leser werden das bereits an der entsprechenden Stelle bemerkt haben – aber noch was anderes vorweggenommen. Er hat, einfach nur in der Auslegung des Wortes Gottes in seiner Aufteilung zwischen Abrahams Söhnen Isaak (Gnade) und Ismael (Gesetz), bereits den Islam begründet und seine Stellung im Plan Gottes dargelegt – wenn auch sicherlich nicht so, wie sich das Moslems heute vorstellen oder wünschen. Christen interpretieren diese Passage als die Unterscheidung zwischen Juden und Christen, das ist meiner Meinung nach aber nicht schlüssig, denn die Christen gehen aus den Juden hervor (Jesus war durch Geburt Jude und durch Verheißung Nachkomme Isaaks – der Familienzweig Isaaks ist jüdisch) – in diesem Sinne stammen beide von Isaak ab. Schlüssiger, auch wenn das ein bisschen nach Prophetie klingt, ist meiner Ansicht nach eine Interpretation, welche die Entwicklungen nach Jesus betrifft. Das Versprechen Gottes an Abraham, auch aus Ismael ein großes Volk zu machen (1 Mose 17,18) lässt diese Interpretation zu. Nach der „Prophezeiung“ des Paulus, in der Hagar für das Gesetz steht, wäre ein solches Volk einem Gesetz unterworfen. Andererseits ist die Zusage Gottes an denselben Abraham, dass über Isaak der Segen Gottes über alle Völker kommen soll (1 Mose 22,18) mehr als nur ein deutlicher Hinweis über die Bedeutung des aus diesem Zweig hervorgehenden Messias (1 Mose 17, 19), durch den die Gnadenzeit anbricht (Jessaja 43,25).

Nein, Paulus bezog sich mit Ismael nicht auf die Juden, auch wenn er den Sinai, den Berg auf dem Moses die Gesetze erhielt erwähnt. Sinai ist das Bild für Gesetz, Unfreiheit. Er warnte lediglich davor, den Glauben an die Erlösung durch Gnade, so wie es der Verheißung Gottes entspricht, so wie es Jesus gelehrt hatte und wie Christen es leben und verkündigen sollen, in eine Religion (=Gesetze und Rituale als Erziehung zum Glauben) zu verfälschen. Bewusst oder unbewusst hat er dabei, indem er Ismael ins Spiel brachte und seine Position im Plan Gottes richtig interpretierte, den späteren Islam zumindest angekündigt.

Der Islam kennt Gesetze und Rituale, Menschen müssen sich nach dieser Lehre den Segen Gottes durch ihre Taten und ihren Lebenswandel verdienen. Er ist daher von seiner Struktur her nach der Definition des Paulus die letzte von Gott gestiftete Religion. Er unterscheidet sich dabei vom Judentum neben den offensichtlichen rituellen Unterschieden (es gibt verständlicherweise auch Gemeinsamkeiten) in einem wesentlichen Punkt: Er bekennt den lebendigen Messias. Damit stellt er einen nachträglich eingeschobenen Zwischenschritt zwischen Werke aus dem Gesetz (Judentum) und Gnade durch Glaube dar. Warum Gott diesen Zwischenschritt erst nach Jesus stiftete? Da fallen mir mehrere Gründe ein. Völlig logisch konnte natürlich das Bekenntnis zum lebendigen Messias erst erfolgen, nachdem dieser offenbart war, auf der Erde gewirkt hatte. Zum anderen haben die Christen aber sicherlich an irgendeinem Punkt versagt, sprich: sie haben sich für die Religion und gegen die Sohnschaft entschieden. Damit waren sie für die Verkündigung der Gnadenzeit Gottes unbrauchbar geworden, und weil Gott die Menschen nunmal nicht aufgibt, hat er halt die Fäden wieder vorübergehend selbst in die Hand genommen und den Menschen in den am schlimmsten von diesem Irrweg betroffenen Regionen den Weg zu Christus durch eine weitere Offenbarung durch den Propheten Mohammed ermöglicht.

Der Islam hatte und hat damit korrigierenden Charakter, da wo die Christen die Fähigkeit zur Selbstkorrektur verloren haben. Eine bittere Erkenntnis, aber meiner Meinung nach gibt es Moslems, weil Gott gesehen hat, dass Christen diese an ihrer Seite benötigen – er hat dies wohlgemerkt bereits bei Abraham gewusst und vorbereitet!

Der Islam ersetzt aber den christlichen Glauben nicht, er entwickelt ihn auch nicht weiter. Ein neues Gesetz kann, das hat Paulus deutlich dargelegt, niemals eine Weiterentwicklung der in Christus geschenkten Gnade sein! So wie der Islam dem Christentum zur Seite steht, steht daher auch das Christentum dem Islam zur Seite, indem es beharrlich Jesus als den einzigen Weg zu Gott verkündigt.

Moslems sind, soweit ich das beobachte, mit der selben Arroganz und Überheblichkeit „gesegnet“, die auch uns Christen immer wieder von der Orientierung hin zu Gott ablenken und sie spielen genauso virtuos wie wir auf der Klaviatur der Schuldzuweisung bzw. der Verleugnung eigener Verantwortung. Wir beide haben darüber hinaus die Neigung die Rituale über die Botschaft zu stellen – wir sind in jeder Hinsicht Brüder vor dem Herrn und Demut vor Gott heißt in diesem Punkt, anzuerkennen, dass er uns nebeneinander gestellt hat, nicht übereinander. Wir sollen wie Brüder aufeinander aufpassen. Manchmal brauchst du einfach jemand, der deine Situation von außen betrachtet – gerade weit genug von deinen Überzeugungen entfernt um einen anderen Blickwinkel zu haben – und dir offen sagt, was er sieht. Daraus folgt die letzte göttliche Bombe, die ich in Galater 4 finde:

Wird am Ende das Christentum oder der Islam vor Gott bestehen? Oder wird es gar das Judentum von Gottes erwähltem Volk sein? Die Antwort lautet: Keine(s) davon. Vor Gott werden sämtliche religiösen Strukturen, egal ob über Jahrtausende entwickelt oder in einem heiligen Buch niedergeschrieben, zusammenbrechen. Wer braucht Religion, wenn er seinem Gott Auge in Auge gegenübersteht? Wer braucht Übungen des Glaubens, wenn er die Wahrheit sieht? Das einzige was vor Gott bestehen kann und bestehen bleibt ist Jesus Christus, der lebt und herrscht in Ewigkeit.

Siehe auch "Siehe, ich mache alles neu!"

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