Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (Joh 14,23)

Klagelieder

Im letzten Kapitel des Buches Klagelieder ist von der Nachkriegsgeneration die Rede. Jeremia klagt vor Gott wie elend dieses Land geworden sei und dass doch die Generation, welche gegen ihn gesündigt habe jetzt tot sei. Alle staatlichen Strukturen sind verschwunden, die Bevölkerung leistet Frondienste für die gottlosen Besatzer. Die Nachkommen zahlen für die Schuld der Väter.

Sehr sorgfältig und mitfühlend berichtet Jeremia von den Folgen des Krieges, wie die einst prächtigen und bewunderten Fürsten heruntergekommen und ausgehungert sind, welche schrecklichen, ja barbarischen Auswüchse das Elend bei der Bevölkerung verursachte. Die Überlebenden haben dem täglichen Existenzkampf zuletzt ihre Menschlichkeit geopfert und verwandelten sich in Monster. In diesem Punkt unterscheidet sich die Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier vor 2500 Jahren in nichts von den heute auf der Welt tobenden Kämpfen und Kriegen. Ein Sprichwort sagt: Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer. Es wäre hier zu ergänzen: Die Menschlichkeit ist das letzte und bitterste Opfer des Krieges.

„Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott.“ (Ps 143,10)

Hier wollte wohl jemand den – angenommen jungen – Leser nicht mit zu viel Text an einem Tag überfordern; anders kann ich mir nicht diese seltsame Aufteilung erklären; dem Textverständnis dient die Aufteilung jedenfalls nicht. Naja, mal sehen was sich heute ergibt.

Im Lightkeeper erfahre ich, dass Jeremia in den Versen 52 – 54 von einem zurückliegenden Ereignis spricht, zu finden in Jeremia 38,6. Wieder zeigt sich, dass man nur eingeschränkt „beliebig“ in diesen Leseplan einsteigen kann. Jeremia hatte davor den König vor der Strafe Gottes gewarnt, die Leute wollten aber nicht hören und töteten den Boten, bzw. warfen ihn in eine Zisterne, damit er die Klappe hält. Mit schlechten Nachrichten bringt man in schweren Zeiten nicht das Volk hinter sich, also ist es einfacher alternative Fakten zu schaffen. Das kommt uns doch bekannt vor, oder?

Oha, das meiste gestern Gesagte passt auch auf den heutigen Tag.

Jeremia stellt klar, dass Gott dieses Leid – wie jedes Leid – nicht zulässt, weil es ihm Vergnügen bereitete. Er ist seinem ganzen Wesen nach gütig, der Mensch muss diese Güte allerdings auch annehmen, was Gehorsam voraussetzt. Allerdings lässt er Leid zu, wenn es letzten Endes dem Seelenheil des Betroffenen dient. Wie sagt einige hundert Jahre später doch Gottes Sohn? „Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß [zur Sünde] wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“  (Mt 5, 29+30)

Aber da sterben doch auch Kinder, ja sogar Säuglinge – kann das gerecht sein?

„Die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ (1 Joh 2,17)

Jeremia wird persönlich. Er leidet nicht nur am Untergang Jerusalems und dem Elend der Menschen, er leidet persönlich, körperlich. Offensichtlich wurde er eingesperrt und gefoltert, was ja auch mit der vorangegangenen Schilderung, wie die Bevölkerung mit ihren Propheten jetzt in der Not umging, übereinstimmt (Klagelieder 2,30). Und soweit es nicht die eigenen Leute waren, sind sicher auch die Besatzer nicht zimperlich mit den Besiegten umgegangen. Dennoch sieht Jeremia hier ganz klar: Alles was geschieht, geschieht mit dem Willen Gottes. So beklagt er zwar, dass er zum Hohn und Spott wurde, was sich auf seine Mitmenschen bezieht, aber die ihn umgebende Finsternis, das Leid, die Trostlosigkeit und das Gefühl der Verlassenheit, das alles schreibt er seinem Gott zu.

Kann Gott wirklich so grausam sein?

Ich hoffe, du hast etwas Zeit mitgebracht...

In diesem Abschnitt werden die bitteren Folgen für die Menschen der besiegten Stadt beschrieben. Hunger und Krankheiten raffen die verbliebene Bevölkerung dahin. Besonders betroffen sind Kinder und Alte – das Gesetz des Krieges, aber auch genau das, was Gott seinem Volk durch Moses androhte für den Fall, dass es ungehorsam ihm gegenüber würde  (5. Mose 28,15-44).

Jerusalem ist trostlos. Aus der einst prächtigen Stadt Gottes ist ein Ort des Elends geworden, der Willkür und dem Hohn der Feinde schutzlos ausgeliefert. Ja, Gott selbst wurde zum Feind seines Volkes. Jeremia beschreibt dies durch verschiedene Zeichen, wie z.B. dem Abschlagen des Hornes, das Schafs- oder Widderhorn (Schofar), dem Zeichen des Bundes Gottes mit Abraham.

lachen

Freunde, glaubt mir: Es wird Gott sein, der zuletzt lacht! (... und dann wollt ihr auf der richtigen Seite stehen!)

Da saß ich heute so – nach einer in Sachen Schlaf durchaus gelungenen Nacht – beim Frühstück, als es plötzlich in mir still wurde und ein Gebet Raum griff. Ja, feste Gebetszeiten haben sich bei mir nicht durchgesetzt; wenn es Zeit für ein Gebet ist, passiert es einfach und ich plappere, was mir grad in den Sinn kommt. Gegen Ende zu sagte die Stimme in mir – so in etwa: „Und Gott, wenn ich jetzt gleich zum zweiten Tag im Lightkeeper komme, wenn es in der betreffenden Bibelstelle etwas gibt, auf das ich achten soll, lass es mich wissen.“

Sinnigerweise beginnt meine Reise mit dem Buch "Klagelieder" genau zu der Zeit, in der ich mich schon morgens über die Hitze aufrege, die meine Wohnung in den lezten Wochen nach und nach in den Vorhof der Hölle verwandelt hat. Ab dem frühen Nachmittag stehe ich seit Tagen regelmäßig vor der Entscheidung "Ersticken oder Hitzschlag?" Ja, mein Gott hat Humor.

Was ich noch sagen wollte ...

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