Denn die Erde wird erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. (Hab 2,14)

Daniel

„Was [einst] gewesen ist, das wird [wieder] sein, und was [einst] geschehen ist, das wird [wieder] geschehen. Und es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ (Pred 1,9)

Es folgen nun Vorhersagen über die nächsten Jahrhunderte, die so exakt zutreffen, dass man heute davon ausgeht, dass der zweite Teil im Buch Daniel (ab ungefähr Kapitel 7) erst nach diesen Ereignissen, also nicht von Daniel, geschrieben wurde. Weitere Belege dafür meint man in Veränderungen in Stil, Ausdrucksmittel und anderen Brüchen im Text zu finden. Ich bin nicht überzeugt. Wenn du diesen Blog von Anfang an verfolgt hast, wirst du dieselben Brüche feststellen und dieser Blog existiert noch nicht einmal zwei Jahre. Überlege dir, wie sich der enge Kontakt Daniels mit seinem Gott während vielleicht über 60 Jahre auf dessen Persönlichkeit ausgewirkt haben wird. Es stimmt wirklich: Während du für Gott arbeitest, arbeitet er an dir!

Der erste Vers/Satz von Kapitel 10 scheint das gesamte Kapitel zusammenzufassen. Dass er an erste Stelle steht, macht den Text nicht verständlicher. Wir nehmen von diesem ersten Vers daher nur die Zeitangabe und lassen den Rest erst einmal unbeachtet. Wir gehen also davon aus, dass der Grund für die Traurigkeit Daniels nicht in der Vision selbst lag. Daniel hat vermutlich aufgrund seiner engen Beziehung zu Gott einfach gespürt, dass da was im Busch war und das ängstigte ihn.

Im dritten Jahr von König Kyrus hat Daniel die wohl größte Vision. Jesus selbst erscheint ihm und obwohl nur Daniel ihn sehen kann, wird er wohl auch von seinen Begleitern wahrgenommen, denn die rennen panisch weg. Die Szene erinnert etwas an die Erscheinung, die Paulus gut 500 Jahre später hatte.

„Und du sollst dir sieben Sabbatjahre abzählen, nämlich siebenmal sieben Jahre, sodass dir die Zeit der sieben Sabbatjahre 49 Jahre beträgt.“ (Lev 25,8)

Noch während Daniel betet schickt Gott ihm den Engel Gabriel, den er schon aus seiner Vision kennt, damit dieser ihm den Plan Gottes erklärt. Zur Erinnerung: Wir befinden uns in der Zeit des Alten Testaments; selbst den höchsten Propheten offenbarte Gott nur die nächsten anstehenden Schritte. Seinem Daniel legt der nun den gesamten Plan dar, denn Daniel ist bei Gott „ein viel geliebter Mann“ (Dan 9,23). Das heißt, Gott hat bereits entschieden, dass er von ihm nicht ablassen wird bis zum Ende der Zeit, darum soll Daniel auch den ganzen Weg kennen.

Daniel hat in den Chroniken Babylons geblättert, parallel dazu die Prophezeiungen Jeremias gelesen und stellt erschüttert fest: Gott hat Wort gehalten, auch in seinen Drohungen, für den Fall, dass sein Volk vom Gesetz abweicht, das er ihm durch Moses überbringen ließ. Jeremia hatte vorhergesagt, dass das Volk Gottes aus seinem Land vertrieben und 70 Jahre in der Verbannung leben werde – als Preis für die begangene und fortgesetzte Untreue gegen seinen Gott. Und seit nunmehr knapp 70 Jahren lebt das Volk in der Tat in Babylon und es ist ihm untersagt, nach Jerusalem zurück zu kehren.

Zwei Jahre später träumt Daniel von einem starken, mächtigen Widder, der von einem Ziegenbock geschlagen wird. Der Erzengel Gabriel erklärt, dass der Widder das Reich der Meder und Perser meint, die Babylon abgelöst haben. Der Ziegenbock ist das große Griechische Reich, das unter Alexander dem Großen entsteht und vom heutigen Griechenland im Nordwesten über Pakistan im Osten und Ägypten im Südwesten reichte.

Ab Kapitel 7 berichtet wird von den Visionen (Gesichte) berichtet, die Gott seinem geliebten Daniel über die ganze Zukunft der Welt geschickt hat. In diesem ersten Gesicht träumt Daniel von vier Tieren, die aus dem Meer (Anmerkung: gemeint ist wohl das Meer der Zeit) emporsteigen, einem Löwen mit Adlerflügeln, einer Art Bär mit mächtigen Reißzähnen, ein Panther mit vier Köpfen vier Flügeln, und ein viertes Tier, groß, schrecklich mit eisernen Zähnen und zehn Hörnern auf dem Kopf.

Mobbing im Reich Babylon! König Darius der Meder übernimmt übergangsweise das Reich und setzt 120 Statthaltern ein, die drei Ministern – darunter Daniel – Bericht über ihre Arbeit erstatten müssen. Daniel ist der Streber in diesem Verein, Darius möchte ihn daher zum Aufseher über das ganze Reich setzen. Auch damals waren Streber nicht beliebt und so suchte der gesamte Verein von Statthaltern und Ministern eine Möglichkeit ihn loszuwerden. Dummerweise ist Daniel wirklich der beste und untadeligste Beamte der Weltgeschichte, also ersinnen sie eine andere Strategie.

„Mene, mene, tekel upharsin!“ (Dan 5, 25)

Wir überspringen eine Generation. König Belsazar ist der Enkel Nebukadnezars. In einem Buch, das uns alle zu Söhnen und Töchtern Abrahams macht, sollte man Generationenbezeichnungen daher nicht auf die Goldwaage legen. Außerdem ist es in der orientalischen Kultur üblich alle Nachfahren aller Generationen Söhne und Töchter zu nennen, somit sind natürlich auch alle Vorfahren Mütter und Väter.

Und wieder träumt der König. Eigentlich beginnt dieses Kapitel bereits bei Kapitel 3, Vers 31 – aber da musst du die Bibelredaktion fragen, warum sie den Friedensgruß des Königs ans Ende von Kapitel 3 gestellt haben. Dass das aber alles zusammengehört, erkennt man daran, dass Dan 3,31 – Dan 4,34 ein Monolog des Königs Nebukadnezar ist.

In diesem Traum sieht der König einen riesigen Baum in der Mitte der Erde, der bis in den Himmel reicht – also vermutlich in der Mitte seines Reiches. Der wunderschöne Baum bietet Nahrung und Schatten für alle Tiere, die unter seiner Krone oder auf dieser leben. Nun erhält er vom Himmel den Befehl, den Baum umzuhauen, die Tiere zu vertreiben und alles vom Baum zu vernichten, außer dem Wurzelstock, den soll er in Ketten legen. Während sieben Zeiten soll er gemeinsam mit den Tieren über die Erde und das Tau ernährt werden, so dass sich sein menschliches Herz in das eines Tieres verwandelt. Dies sei, damit alle Lebenden erkennen, dass allein Gott über die Menschen herrscht.

Das Gedächtnis des Königs ist kurz. In dem Maße in welchem seine Macht zunimmt, wächst auch seine Arroganz und Selbstüberschätzung. Er lässt Standbilder von sich aufstellen und gibt den Befehl, dass diese von allen seinen Untertanen an seiner statt (er kann ja nicht überall gleichzeitig sein) wie ein Gott angebetet werden müssen. Wer es nicht tut, soll in einem großen Ofen verbrannt werden. Seine Untertanen folgen dem eindeutigen Befehl, Hananja, Misael und Asarja, die Freunde Daniels, aber nicht, da diese keine Götter neben ihrem Gott haben dürfen und sie ihm nach der seit der Verschleppung erfahrenen Gnade treu bleiben.

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