Denn die Erde wird erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. (Hab 2,14)

Der Prophet Samuel lebte in der Zeit der letzten Richter und des ersten Königs von Israel Saul. Er ist das, was man wohl einen Seiteneinsteiger nennt. In jener Zeit war Eli der Hohepriester von Israel und diente daher in der Stiftshütte, die zu jener Zeit in Silo stand. Es war damals üblich, dass das Priesteramt vom Vater auf die Söhne überging, denn alle Priester stammten nach dem Willen und den Weisungen Gottes in direkter Linie von Aron, dem Bruder Moses ab – aus dem Haus Levi. Samuel dagegen stammt aus dem Haus Ephraims. Trotzdem wird Gott ihm den Stab des Hohepriesters geben und nicht den Söhnen Elis. Gott entscheidet souverän auf Basis dessen, wie die Situation und ihre Entwicklung zu seinem Plan passt und hält offensichtlich nicht so viel von „das haben wir immer so gemacht“. Aber schauen wir uns erst einmal die Geschichte an.

Elkana, ein Ephraititer, hat zwei Frauen. Seine Nebenfrau Pennina ist mit Kindern gesegnet, während Hanna, die Hauptfrau Elkanas, bisher kinderlos blieb. Hanna leidet schwer unter ihrem Schicksal und Pennina tut ihr Möglichstes, dass Hanna dieses Schicksal besonders schwer auf den Schultern lastet.

Eines Tages betet Hanna, wie so oft, vor der Stiftshütte zu ihrem Gott und natürlich bittet sie ihn um einen Sohn. Sie verspricht Gott, dass sie dieses Kind nicht für sich behalten, sondern ganz ihm, Gott, weihen werde, wenn er ihren Wunsch erfüllt. Dabei hat sie den Sinn eines Gebetes bereits besser verstanden, wie so mancher Scheinheilige heutiger Tage. Sie spricht nicht laut, macht keine Show aus ihrem Anliegen, lediglich ihre Lippen bewegen sich. Anders ausgedrückt: Sie reiht die Worte, die sie bewegen, in ihrem Geist aneinander, ist ganz bei sich und bei ihrem Gott. Offensichtlich war ihr Gebet aber etwas inbrünstiger und länger als gewöhnlich, weshalb Eli, der sie dabei beobachtet, sie für betrunken hält. Als sie ihn über seinen Irrtum aufklärt, segnet er schuldbewusst ihr Gebet.

Gott erhört Hanna und Hanna hält ihr Versprechen. Sie nennt ihren Erstgeborenen „Samuel“, d.h., von Gott erhört und nachdem sie ihn abgestillt hat, übergibt sie ihn in die Obhut Elis.

Gleich im ersten Kapitel werden die Weichen neu gestellt. Samuel ist ein Kind der alten Tradition: Eine kinderlose Frau galt in jenen Tagen als von Gott verflucht, d.h., Hanna hatte höchstwahrscheinlich nicht nur unter den Gehässigkeiten Penninas zu leiden, sondern galt auch in ihrer Gemeinde nicht gerade viel. Gerade das sind aber die besten Voraussetzungen für zahlreiche vertrauliche und persönliche Gespräche mit Gott. Gott brachte also die Geschichte ins Rollen, indem er zunächst einmal nichts tat. Um Israel einen Propheten wie Samuel zu schenken, brauchte er eine Frau wie Hanna, die unter ihrer Schwachheit, dem empfundenen Mangel, zusammenzubrechen drohte und in ihrer Not die ganze Last ihrem Gott übergab. Erst das Glück, von Gott erhört worden zu sein, gab ihr überhaupt die Kraft so zu handeln und das Kind vertrauensvoll ganz in dessen Hände zu geben. Und Gott, der bereits erkannt hat, dass mit Eli eine Tradition zu Ende gehen, ein alter Weg enden wird, kann so – das Ziel im Blick – in Samuel einen neuen Weg anlegen.

1. Samuel 1 >>

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