Davids Herz bricht bei dieser Botschaft. Der ganze Sieg ist ihm völlig gleichgültig, lieber wäre er statt seines Sohnes gestorben – jeder Vater wird diese Haltung verstehen.

Nun ist David aber nicht nur Vater seiner Kinder, sondern als König auch sowas wie der Vater seines Volkes. Und sein Volk muss nach dieser Schlacht um den Thron, die quer durch die Königsfamilie geführt wurde vor allem wieder aufgerichtet werden, denn wir wissen von Jesus, dass ein Haus, dass mit sich selbst uneins ist nicht bestehen kann (Mk 3, 25).

Joab erweist sich hier nicht nur als guter Feldherr sondern auch als treuer Ratgeber, denn er traut sich seinen König an dessen Pflicht zu erinnern. Als David der Aufforderung seines Freundes nachkommt, scheint es schon zu spät. Die Stämme Israels haben sich bereits – völlig verunsichert über die Situation – in ihre Gebiete zurückgezogen. Sie fürchten, in dieser Schlacht beide Könige und das Reich verloren zu haben.

David sieht ein, dass er Arbeit vor sich hat und schickt seinen Priester los, die Leute zurück nach Jerusalem zu holen, damit sie dort ihren König ehren. Die Rede verfängt. Das Volk bietet David eine triumphale Rückkehr nach Jerusalem: Sie kommen ihm am Jordan entgegen und ziehen mit ihm der Stadt entgegen.

Auch Simei der Steinewerfer kommt David entgegen und bittet um Vergebung und Gnade – und entgegen der Ratschläge der Anwesenden vergibt David dem Bittsteller, denn dies soll ein Tag der Freude sein für das ganze Volk Israel. Nun kommt auch Mephiboseth, dessen Knecht ja erzählt hatte, er hätte selbst Absicht, den Königsthron wieder an sich zu reißen. Mephiboseth erscheint ungepflegt, was jedem gegenüber unhöflich wäre. So vor seinem König zu erscheinen, kommt aber einer Majestätsbeleidigung gleich. Mephiboseths Erklärung: Sein Knecht hätte ihn betrogen. Als er selbst zu König reiten wollte, sei dieser mit den Sachen abgehauen. Er selbst, da ja lahm, habe sich in dieser Situation nicht helfen können. Daher erscheine er erst jetzt und in diesem Zustand.

Mephiboseth sollte nur einen einzigen Diener haben, der sein Land bewirtschaftet? Da war keine weitere Person, die Mephiboseth hätte helfen können, so dass er den König doch noch hätte einholen können? Oder ist das vielleicht doch nur Show, eine Mitleidsnummer in Lumpen? David fällt auch hier kein Urteil für oder gegen eine Seite; er teilt die Ländereien zwischen Mephiboseth und seinem Knecht zu gleich Teilen.

Ein dritter taucht auf, der alte Barsillai, der David und seine Leute versorgt hatte. Ihm ist der König außerordentlich dankbar. Er möchte ihn in sein Haus aufnehmen und königlich versorgen. Doch Barsillai möchte in seinen eigenen vier Wänden sterben und bittet darum, diese Gnade seinem Knecht Kimham zukommen lassen. David lässt sich nicht nur auf den Deal ein, sondern sagt auch Barsillai zu, ihm alles nach Hause zu schicken, was er noch für ihn tun könne.

Man möchte meinen, hier wird die Zeit nach dem Gericht symbolisch dargestellt. Die Treuen des Königs werden – je nach ihrer Treue – von diesem belohnt. Doch das wäre dann wohl Gott doch an diesem Punkt etwas zu weit gegangen.

Denn was passiert nun? David zieht nicht direkt nach Jerusalem; er macht halt in Gilgal in Juda, also bei seinen Leuten. Dies verursacht bereits den nächsten Streit, denn die anderen Stämme Israels reagieren darauf sehr erbost und eifersüchtig.

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