Denn die Erde wird erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. (Hab 2,14)

Hiob

Der literarische Gott, der die Handlung in den ersten Kapiteln erst losgetreten hat, schließt sie nun auch ab – er erhält das letzte Wort.

In vielen Fragen macht Gott Hiob klar, mit welchen Kräften er die Welt zusammen und am Laufen hält und damit deutlich, dass Hiob sich mit seinen Vorwürfen weit überhoben hat.

Da waren doch die ganze Zeit nur drei Freunde, oder? Offensichtlich haben wir nicht genau genug hingesehen, denn nun erhebt Elihu, der Jüngste in der Runde, das Wort und schwere Vorwürfe gegen die Anwesenden. Ehe wir seine Rede im Details betrachten, fällt bereits der Name „Elihu“ auf, denn „Eli“ bedeutet „mein Gott“, und kurz nach der Bedeutung des Namens gegoogelt zeigt uns, „Elihu“ bedeutet „Er ist mein Gott“ / „mein Gott ist es“.

Nun setzt Hiob zu seiner letzten Erwiderung auf die Angriffe der Freunde an und wir erkennen, er sieht sich im Zentrum seiner Welt stehend und unterscheidet sich in diesem Punkt nicht von den bisherigen Rednern.

Hiob will seine Rechtschaffenheit vor Gott darlegen, d.h., er will sich immer noch (selbst) vor Gott rechtfertigen. In ihm ist die von seinen Freunden propagierte Volksfrömmigkeit genauso tief verwurzelt, wie in den Freunden. Immer deutlicher erkennen wir, hier streitet nicht der Gottestreue gegen die Angriffe der Welt (diesen Eindruck vermittelten ja die ersten Kapitel des Buches Hiob), hier streiten Parteien – allesamt nur mit diffusem Gottesverständnis – um einen Weg abseits des Lichts quer durch die Dunkelheit.

Eliphas kommt in seiner dritten Rede nun mit sehr konkreten Vorwürfen gegen Hiob. Wir wissen aus den ersten Kapiteln, dass Hiob ein gottesfürchtiger Mann mit regem Opferdienst war. Wir wissen, dass er offensichtlich wohlhabend war und großes Ansehen in seiner Umwelt genoss; sein Ratschlag und Ratschluss war vermutlich viel wert bei ihm gesellschaftlich Gleichgestellten. Wir wissen auch, dass der Gott im Himmel voll des Lobes über seinen Knecht war. Wir wissen inzwischen aber auch, dass der Gott im Himmel in der Geschichte nur als Auslöser des Ereignisses fungierte; mit dem Gott, der sich aus unseren Beobachtungen nun nach und nach herauskristallisiert hat er herzlich wenig gemein. Gott und Satan in der Geschichte sind wie Hiob, seine Frau und die drei Freunde nur literarische Figuren, welche die Handlung voran treiben und so die zu vermittelnden Erkenntnisse transportieren.

Zophar geht auf die Sache mit dem Erlöser erst gar nicht ein, auch er ist auf Bildads Rache-Trip. In seiner feurigen Rede wirft er Hiob vor, zu verleugnen, was doch alle wüssten: Das Glück der Gottlosen ist vergänglich – Gott kassiert sie alle ein, verwirft deren Leben und das derer Nachkommen.

Bildad setzt seine „Rauch-und-Feuer“-Rede an dem Punkt fort, an dem er zuletzt aufgehört hat. Offensichtlich kann er nichts anderes akzeptieren als vollständige Zustimmung. Darum erweitert er den Katalog (seinen Katalog!) göttlicher Strafen für Ungehorsam um etliche Punkte. Was für ein trauriges Gottesbild! Wir sollen uns ja keine Bildnisse von Gott machen und hier wird auch klar warum: Wir denken in menschlichen Maßstäben und in diesen ist „Rache gegen meinen Feind“ der Dreh- und Angelpunkt. Das ist bis heute so! Frage auf der Straße Menschen nach dem Zitat aus dem Alten Testament, das ihnen zuerst einfällt und zähle, wie oft dir „Mein ist die Rache, spricht der Herr“ genannt wird (von denen, die dir überhaupt etwas aus dem AT nennen können). Den wenigsten davon ist dabei vermutlich bewusst, dass Gott damit meinte, dass wir den Gedanken an Rache zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit auf dem Weg zu ihm ganz aufgeben sollen!

Die Erwiderung Eliphas zeigt, dass er Hiob nicht zugehört hat. Er hat in verschiedenen Äußerungen Hiobs Angriffe auf sich und seine Ehre wahrgenommen und holt nun zum Gegenschlag aus.

Zophar, der nun spricht, ist offensichtlich ein Eiferer. Er beschwört Gott, diesem dummen Schwätzer Hiob Erkenntnis und Weisheit einzuprügeln, damit dieser sein Unrecht erkenne und seine Nichtigkeit gegenüber der Größe des Allmächtigen.

In der Tat erfährt Hiob kein Mitgefühl von seinen Freunden. Bildad antwortet Hiob mit einer „Rauch-und-Feuer“-Rede. Alles was Hiob uns seiner Familie widerfahren sei und noch widerfahre seien doch nur die Früchte eines liederlichen, sündhaften Lebenswandels. Das sei doch von alters her bekannt: Wo Rauch ist, da ist auch Feuer und wo Strafe ist, da ist auch Sünde. Bildad haut seinem Freund die gesamten gesammelten Erkenntnisse der Volksfrömmigkeit um die Ohren.

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