Denn die Erde wird erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. (Hab 2,14)

Der Prophet ist offensichtlich sehr aufgewühlt über das, was Gott ihm hier gezeigt hat und die sich für das Volk ergebenden Konsequenzen.

Er verkündet dem Volk Israel, dass es keine Gemeinschaft mehr mit Gott habe. Gott verstößt sein Volk und weil der vom Volk bei zahlreichen Gelegenheiten gebrochene Deal sich im gelobten Land manifestierte, werden sie dies nun endgültig verlieren; sie werden Vertriebene sein. Doch wieder kündigt Gott an, was von einem Menschen nicht zu erwarten wäre: Er fordert das Volk auf zu ihm umzukehren. Wenn sie ganz neu anfangen und sich wieder mit ganzem Herzen allein auf ihn berufen und verlassen, statt auf ihre eigenen Werke und selbstgeschaffenen Götzen, dann wird er ihnen Gnade erweisen und wiederherstellen, was durch ihren Stolz und ihre Unbelehrbarkeit zerbrochen ist.

Das ganze Kapitel 11 ist eine einzige Liebeserklärung Gottes an das Volk, das sich von ihm abgewandt hat, lange bevor er sich zu diesem Schritt entschloss. Auch wenn wir hier von Grimm und Zorn Gottes lesen, der über Israel kommt, so erzählt Gott von den Schmerzen, dem Leid, das das Schicksal seines Volkes bei ihm auslöst. Er freut sich auf die Zeit, in der er sie wieder zu sich rufen (das heißt: die Zeit, in der sein Volk wieder auf sein Rufen hören wird) und in ihrer Mitte wohnen wird.

Damit und mit den ausführlichen Beschreibungen über Israels Vergehen in den beiden folgenden Kapitel wird deutlich: Der Zorn Gottes löst keine Strafe aus! Das Leid, das Israel widerfahren wird, löst doch hundertfaches Leid bei ihrem Gott aus, warum sollte Gott das also tun? Nein, Gott straft nicht im Zorn (er hatte ja auch bereits bei Noah geschworen, dies nie wieder zu tun), Gott ist wütend, weil er seine Kinder nicht erreicht, Gott ist wütend, weil er tatenlos zusehen muss, wie sein Volk – und es bleibt sein Volk, auch wenn er seine Abkehr von ihm verkündet – in die Katastrophe läuft. Gott straft nicht, Gott liebt! Er liebt sein Volk so sehr, dass er es ziehen lässt. Wenn Gott also ruft: „Ich bringe Vertreibung, Unfruchtbarkeit und Tod über sie!“, heißt das eben nicht, dass er sein Volk damit straft, sondern dass er die Verantwortung übernimmt, für das Unheil, das über sein Volk kommt, weil er ihnen den freien Willen ließ (Gott hat im Anbeginn der Zeit bestimmt, dass seine Kinder sich aus freiem Willen für seine Führung entscheiden müssen – nur so können sie gleichzeitig frei und auf ewig verbunden mit Gott sein. Gott hat uns als seine Erben geschaffen, nicht als seine Diener. Unser Dienst soll der eines guten Fürsten in Gottes Reich sein, nicht der eines Mietlings (Joh 10,12+13)) und sie daher nicht von ihren verhängnisvollen Entscheidungen abbringen konnte.

Wie total und endgültig Gott die Verantwortung für die Verfehlungen seiner Kinder übernimmt, zeigt sich unter anderem im Buch Jesaja, wenn er in ähnlicher Verzweiflung ruft: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen, und an deine Sünden will ich nie mehr gedenken!“ (Jes 43, 25) und natürlich dann später im in diesem Ausruf angekündigten Sühnetod Jesu am Kreuz, in dem Gott selbst die gerechte Strafe für unsere Sünden und fortwährende Untreue (er)trägt.

Im Zorn Gottes steckt nicht Strafe, sondern Enttäuschung und Verzweiflung!

Kapitel 14 erzählt von den Konsequenzen, die Gott aus der gegenwärtigen, hoffnungslosen Situation zieht: Die Gegenwart abhaken und Hoffnung in die Zukunft säen. Gott hat Pläne mit seinem Volk, die er nicht aufgibt und die er realisieren wird, wenn sein Volk dazu bereit sein wird.

„Denn die Wege des HERRN sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf; aber die Übertreter kommen auf ihnen zu Fall.“ (Hos 14, 10)

Der letzte Satz des Buches Hosea offenbart die ganze Gerechtigkeit Gottes: Das Leben lehrt Gottes Kinder, den für sie bereiteten Weg als ihr Heil zu erkennen und bereitwillig darauf sicher zu gehen unter der Führung ihres Herrn, der ihnen vorangeht. Die anderen, die „Übertreter“, nehmen die Führung Gottes nicht an. Daher bleibt ihnen der wahre Weg verborgen. Sie irren durch das Leben wie das vertriebene Volk Israel und werden am Ende über ihr eigenes Leben stürzen, das somit zu ihrem Gericht, zum Richterspruch über sie wird.

Das Gericht Gottes ist ein Sieb und es arbeitet seit Anbeginn der Zeit!

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