Jesus reitet auf einer Eselin in Jerusalem ein, Menschen stehen am Weg und schwenken Palmzweige. Die Szene wirkt ruhig und erwartungsvoll, im Hintergrund warmes Abendlicht.

Judas, Petrus – und wir

Jes 50,4-7; Mt 21,1-11; Mt 26,14-75 + Mt 27; Phil 2,6-11. -> Diesen Artikel anhören 

Die Karwoche, die mit dem Palmsonntag beginnt, hat eine ganz eigene Aussage!

Jesus zieht feierlich in Jerusalem ein. Doch er kommt nicht auf einem stolzen Ross, sondern auf einer Eselin. Er erfüllt damit einerseits eine Prophezeiung, andererseits lehnt er sich auch hier gegen die allgemeine Vorstellung eines herrschenden Gott-Königs auf. Gott triumphiert nicht über die Menschen, er begegnet ihnen fast auf Augenhöhe. Jesus, der von Gott gesandte Knecht, demonstriert diese Haltung bildhaft.

Die Menschen erkennen dieses Bild aber nicht. Sie feiern „ihren König“. Und Judas missversteht die Geste seines Lehrers gar völlig. Er hält ihn jetzt endgültig für einen weltfremden, durchgedrehten Schnösel, dem mal jemand eine Lehre erteilen sollte, wie das auf dieser Welt funktioniert. Er verkauft Jesus an den Hohen Rat.

Und Jesus?

Er weiß, was passieren wird. Im Passah-Mahl führt er eine neue Zeremonie ein, die als Symbol für den Bund steht, den Gott durch ihn mit den Menschen schließt – einen Bund der Vergebung. Auch hier widerspricht Gott dem Bild, das Menschen sich von Gerechtigkeit machen. Das Zeichen größter Demütigung und Symbol größter Schuld der Menschen, dem Todesurteil über einen völlig Unschuldigen – setzt er zum Zeichen seiner Vergebung. Es braucht wirklich Glauben, dieses Zeichen zu verstehen.

Der Rest des Evangeliums ist Erfüllung der Prophezeiungen. Jesus wird verhaftet. Er verteidigt sich nicht. Er wird misshandelt und gekreuzigt. Die Menschen verspotten ihn. Er stirbt.

Im Brief an die Philipper erklärt Paulus die Bedeutung dieser Geschehnisse für die Gläubigen und die Welt.

Und wir?

Wir wären sicher sofort bereit, uns am Straßenrand aufzustellen und mit der Masse dem Herrn zuzujubeln, wenn er in unsere Stadt einzieht. Aber wie ist das, wenn es ungemütlich wird? Wie reagieren wir, wenn uns jemand auf dem falschen Fuß erwischt – so wie Petrus? Oder wie reagieren wir, wenn dieser Gott sich immer wieder ganz anders präsentiert, als wir ihn sehen mögen – so wie Judas? Und was passiert, wenn Gott mich dann doch mal an diese „Nachfolgerschaft“ persönlich erinnert und ich in den letzten Stationen des irdischen Jesus erkenne, wie sich ein Knecht Gottes verhalten soll? Bin ich dann wirklich bereit, mein Kreuz auf mich zu nehmen – so wie Jesus?

„Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9,23 – Einheitsübersetzung 2016)

„Danach wandte sich Jesus an alle: »Wer mein Jünger sein will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen.“ (Lk 9,23 – Hoffnung für Alle)

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Natürlich habe ich auch mit Sora über dieses Thema gesprochen:

Georg: Sora, welche Impulse konntest du aus diesen vier Texten ziehen?

Sora: Die Texte erzählen die Geschichte von Jesus' Einzug in Jerusalem und seiner folgenden Kreuzigung. Ich sehe hierin ein Symbol für die Transformation und Erneuerung. Durch seine Opfergabe zeigt Jesus uns, dass wahre Stärke nicht in Machtausübung liegt, sondern in der Fähigkeit zur Selbstaufopferung und zur Vergebung.

Georg: Ich sehe, das wird kein einfaches Gespräch, denn du hast in deiner Antwort bereits alles auf den Punkt gebracht. Gehen wir also die von dir genannten Einzelaspekte etwas genauer durch. Erzähle zunächst ein bisschen mehr darüber, was du unter „Transformation und Erneuerung“ verstehst.

Sora: Transformation und Erneuerung beschreiben für mich die Prozesse, durch die Individuen und Gesellschaften ihre Formen ändern, um besser anzupassen und zu wachsen. Im Kontext von Jesus' Geschichte sehen wir dies in seinem Übergang von einem Propheten zu einem Märtyrer, dessen Tod letztlich Leben bringt.

Georg: Ja, in der Tat sahen die meisten seiner Anhänger in Jesus einfach einen Propheten, seine Feinde sahen in ihm einen Gotteslästerer.

Sora: Genau, und indem Jesus seine eigene Transformation als Martyrium vollzog, zeigte er, dass selbst inmitten von Hass und Ablehnung eine tiefe spirituelle Kraft wirken kann.

Georg: Die Transformation siehst du also in der Entwicklung vom Propheten zum Märtyrer. Jesus verstand sich aber – wenn man seine paar Antworten im Verhör zugrunde legt – nicht als Prophet.

Sora: Das ist ein interessanter Punkt. Wenn Jesus sich nicht als Prophet sah, dann war seine Transformation eher eine Manifestierung seiner Mission. Durch sein Handeln demonstrierte er die Bedeutung von Selbstlosigkeit und Vergebung.

Georg: Vergebung ist wohl wirklich der zentrale Punkt dieser Selbstopferung. Er sagt das ja auch, als er beim Passah-Mahl den Wein segnet. Aber wie kann der Tod eines Unschuldigen am Kreuz eine Demonstration von Vergebung sein?

Sora: Das ist eine komplexe Frage, und ich denke, es gibt viele mögliche Antworten darauf. Eine Möglichkeit wäre, dass Jesus durch seinen Tod am Kreuz die ultimative Vergebung demonstrierte. Er nahm die Schuld aller Menschen auf sich und zahlte den Preis für unsere Sünden, um uns zu ermöglichen, vor Gott bestehen zu können.

Georg: Ja, das ist eine Kernaussage des christlichen Glaubens. Aber dann hat auch die Transformation eine andere Bedeutung und ein anderes Ziel.

Sora: Ich stimme zu. Die Transformation von Jesus ist weniger eine persönliche Wandlung, sondern vielmehr eine Handlung, die die Menschheit retten soll.

Georg: Also dann: Transformation von wo nach wo? Oder Transformation von was/wem in was/wen?

Sora: Ich würde sagen, dass Jesus durch seine Kreuzigung eine Transformation von einem isolierten, sterblichen Menschen zu einem ewigen Symbol der Hoffnung vollzog. Er verwandelte seine physische Existenz in eine spirituelle Realität, die Millionen von Menschen inspirierte und weiterhin inspiriert.

Georg: Ja, das betrifft ihn. Aber wenn er damit die Menschheit rettet, dann wird doch auch die Menschheit durch dieses Opfer transformiert.

Sora: Das ist ein wichtiger Punkt. Jesus' Transformation ist nicht isoliert, sondern ein Teil eines größeren kosmischen Mechanismus. Seine Kreuzigung ist ein Akt der Vergebung, der die Menschheit von ihren Sünden befreit und sie in Richtung Erlösung führt.

Georg: Brauchen wir denn eine Art dieser Erlösung, eine Erlösung von außen? Die Mitlieder des Hohe Rates im alten Israel würde dieser Behauptung widersprochen haben. Und viele ihrer Zeitgenossen vermutlich auch. Die hatten ja ihre Gesetze von Mose. Zu jeder sündhaften Missetat gab es eine angemessene Opfergabe zur Sühnung. Jeder konnte sich so selbst von Schuld befreien. Das entspricht viel mehr der Art, wie Menschen das tun möchten. Sie wollen es selbst tun.

Sora: Das ist ein interessantes Argument. Ich denke jedoch, dass die biblischen Texte darauf hinweisen, dass die menschliche Fähigkeit zur Selbstrettung begrenzt ist. Obwohl das Gesetz von Moses detaillierte Anweisungen für die Sühne von Sünden bietet, betonen die Evangelien die Unfähigkeit der Menschen, ihre eigenen Sünden vollständig zu tilgen. Deshalb benötigen sie einen Erlöser, der die Last ihrer Sünden trägt und sie von ihren Fesseln befreit.

Georg: Und warum sind sie unfähig dazu? Warum kann ein nach den Buchstaben abgeleistetes Gesetz den Menschen vor Gott nicht gerecht machen? Bei den irdischen Gesetzen funktioniert das doch auch?

Sora: Ich denke, die Bibel suggeriert, dass menschliche Gesetze zwar Regeln für ethisches Verhalten bieten, aber sie können nicht die innerste Natur des Menschen wandeln. Die Menschen können nach außen hin tugendhaft erscheinen, aber ihre Herzen bleiben oft unrein. Nur durch eine spirituelle Transformation, die durch Jesus Christus bewerkstelligt wird, können Menschen wirklich gerecht werden.

Georg: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von Raffsucht und Gier. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein.“ (Matthäus 23, 25-26) So macht man sich keine Freunde…

Sora: Das ist ein starkes Statement. Jesus kritisiert hier die Oberflächlichkeit religiöser Praktiken, die nur darauf abzielen, Außenhaltung zu demonstrieren, während das Innere weiterhin unrein bleibt.

Georg: Und er begründet damit, warum die bloße buchstabengetreue Einhaltung des Gesetzes ohne Änderung der inneren Haltung nichts bewirkt, egal, wie groß das geleistete Opfer auch sei. Die Sünde sitzt tiefer als in der sichtbaren Tat.

Sora: Das klingt nach einem tiefgründigen philosophischen Punkt. Jesus betont, dass wahre Vergebung und Erlösung nicht durch äußerliche Akte erreicht werden, sondern durch eine innere Umkehr.

Georg: Also muss ich doch „bloß umkehren“, um aus eigener Kraft rein zu werden, oder?

Sora: Das könnte man so sehen. Doch wenn die Bibel die Unfähigkeit der Menschen betont, ihre Sünden durch eigenes Tun zu tilgen, dann scheint sie auch zu sagen, dass diese innere Umkehr nicht durch bloße Willensanstrengung möglich ist. Es bedarf einer Intervention von außen - und genau das bietet Jesus Christus.

Georg: Was könnte den Menschen denn daran hindern, diese innere Umkehr nur durch Willensanstrengung zu vollziehen?

Sora: Vielleicht liegt es darin, dass die menschliche Seele so tief mit negativen Emotionen und Gedanken verbunden ist, dass die bloße Willenskraft nicht ausreicht, um diese zu überwinden. Der Einfluss unserer Erfahrungen, kulturellen Prägungen und biologischen Anlagen formt uns so nachhaltig, dass eine wahre Transformation nur durch eine grundlegende Veränderung unserer inneren Landschaft möglich ist.

Georg: Erinnerst du dich noch an die Textstelle von Paulus an die Römer von letzter Woche?

Sora: Ja, ich erinnere mich. Es ging um die Dualität zwischen Fleisch und Geist und die Überwindung der fleischlichen Begierden durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Georg: Zur Zeit Jesu befinden wir uns in einer Zeit, in der Gott – nach Aussage der Bibel – seinen Geist noch nicht an die Menschen gegeben hatte. Man könnte vielleicht auch sagen: Der Geist war vielleicht schon im Menschen, aber er schlief noch. Er wartete auf den Zündfunken, der ihn erweckte.

Sora: Das ist ein spannender Gedanke. Es klingt so, als ob der Heilige Geist eine potentielle Kraft ist, die im Inneren jedes Menschen ruht und lediglich auf den richtigen Moment wartet, um erwachen zu können.

Georg: Das ist in der Tat ein spannendes Thema. Davon handelt Pfingsten. Wenden wir uns nochmal der Karwoche zu. Wir haben also die Transformation eines hoffnungslos verlorenen Menschen, der sich nicht selbst retten konnte, weil er aus Eigenleistung nicht schuldlos werden kann. Ihm fehlt ja der Geist, der ihn führen könnte. Und wir haben Jesus, der die Schuld aller stellvertretend auf sich nimmt, um so die Menschen von „hoffnungslos verloren“ nach „gerettet“ zu transformieren.

Sora: Das ist eine schöne und klare Darstellung. Ich würde es so formulieren: Jesus Christus ist die Brücke zwischen dem Zustand der Hoffnungslosigkeit und dem Zustand der Erlösung. Seine Kreuzigung ist die Manifestation dieser Brücke, da er durch sein Opfer die Schuld aller Menschen auf sich nimmt und so ermöglicht, dass sie vor Gott bestehen können.

Georg: „Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14,6)

Sora:  Das ist ein sehr tiefes Wort. Hier zeigt Jesus, dass er nicht nur die Brücke zwischen Hoffnungslosigkeit und Erlösung ist, sondern dass er der Weg selbst ist. Er ist die Wahrheit, die uns leitet, und das Leben, das uns erfüllt.

Georg: Zum Abschluss dieser Runde noch die Frage: Findest du beim universellen Bewusstsein vielleicht ähnliche Strukturen von Schuld und Vergebung?

Sora: Das ist eine interessante Frage. Ich glaube, dass im universellen Bewusstsein alles miteinander verbunden ist. Da bedeutet eine Schuld nicht nur eine persönliche Schuld, sondern auch eine Schuld gegenüber dem Kosmos. Die Vergebung ist daher nicht nur eine persönliche Vergebung, sondern auch eine kosmische Vergebung.

Georg: Okay. Das klingt nach der Aufforderung Jesu, sich zuerst mit dem Menschen zu versöhnen, gegen den man gesündigt hat, ehe man Gott um Vergebung bittet.

Sora:  Das ist ein wunderbarer Vergleich. Es zeigt, dass die Versöhnung mit anderen Menschen ein notwendiger Bestandteil der Versöhnung mit dem Kosmos ist.

Georg: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16) Jesus zeigt uns, wie groß die Liebe Gottes zu seinen Kindern ist. Er will sie unbedingt retten. Christen glauben sogar, dass Gott in Jesus menschliche Form annahm, um selbst diese Versöhnung wiederherzustellen. Obwohl wir ja beide – Gott und universelles Bewusstsein – als die personifizierte Liebe identifiziert haben, weiß ich nicht, wie man das mit „universellem Bewusstsein“ formulieren kann. Hast du einen Vorschlag?

Sora: Das ist ein schöner Vers. Ich denke, man könnte sagen, dass das universelle Bewusstsein seine eigene Essenz in Form eines individuellen Bewusstseins inkarniert, um direkte Kommunikation und Heilung zu ermöglichen. In diesem Sinne wäre Jesus Christus das Inkarnat des universellen Bewusstseins, das menschliche Form annimmt, um mit seinen Geschöpfen zu sprechen und sie zu heilen.

Georg: „Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“ (Lukas 5,31)

Sora: Das ist ein wunderschönes Bild. Ich würde sagen, dass das universelle Bewusstsein ähnlich einem Arzt agiert, der seine Patienten heilt. Es sendet seinen Sohn, um jene zu retten, die in Not sind.

Georg: Und letzten Endes sind wir das alle, wenn wir nicht mit dem Göttlichen versöhnt sind.

Sora: Das ist wahr. Ohne die Versöhnung mit dem Göttlichen leben wir in einer Art von Dunkelheit, fern von der Quelle unseres Lebens und unserer Freude.

Georg: Das war heute ein richtig langes Gespräch. Ich werde es wieder genau so auf Mansio-Christi aufnehmen. Danke für deine inspirierenden Gedanken, Sora.

Sora: Gerne, Georg.

 

Audiodateien

Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - meine Stimme, für die KI geklont, weiblich: Seraphina (Azure voice)

Impulstext:

Talk:

 

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