Ez 33,7-9; Mt 18,15-20; Röm 13,8-10 -> Mansio Christi - Podcast
Ezechiel ist von Gott auserwählt, das Volk Gottes (und damit natürlich auch sein eigenes Volk) zu rügen und zu warnen. Doch Ezechiel ist weder Richter noch Ankläger, er ist Bote. Gott überträgt ihm die Verantwortung, dass sein Wort von den betroffenen Ohren gehört wird. Gott macht Ezechiel deutlich: Wenn du das nicht sagst, dann bist du mitverantwortlich, wenn die Menschen nicht umkehren (Ez 33, 9).
Jesus erklärt seinen Jüngern, wie das unter seinen Nachfolgern zu funktionieren hat bei Problemen: Spreche zunächst persönlich mit dem Betroffenen. Wenn das nicht fruchtet, nimm Zeugen dazu und dann immer größere Kreise von Personen. Anders ausgedrückt: Es soll immer vor einen Kreis Verantwortlicher gebracht werden, der mit dem Beschuldigten persönlich spricht und ihm auch Gelegenheit zur direkten Antwort bietet.
Das heißt: Eine öffentliche Anklage oder gar Verurteilung, z.B. in den Medien, ist unter Christen ausgeschlossen.
Aber wie spricht man mit dem anderen?
Das erklärt Paulus. In einer christlichen Zurechtweisung geht es niemals darum, jemanden als schuldig zu verurteilen. Das Ziel muss sein, den anderen für die Gemeinschaft zurückzugewinnen. Gott hat uns in den Zehn Geboten ein grobes Verhaltensraster gegeben, nach dem Gemeinschaften funktionieren. Wenn in einer Gemeinschaft aber kein gegenseitiger Respekt und Liebe herrschen, wird diese Gemeinschaft auseinanderfallen. Umgekehrt heißt das genau das, was Paulus sagt: Wenn ihr euch in der Gemeinschaft in Nächstenliebe begegnet, dann werdet ihr das grobe Verhaltensraster ganz automatisch einhalten.
Die Menschen – und damit auch die Christen – haben in dieser Methode des liebevollen, respektvollen und gleichzeitig ehrlichen Umgangs keine Übung. Ich weiß nicht, ob wir das im Laufe der Zeit verlernt haben oder ob wir das vielleicht noch niemals beherrscht hatten.
Es gibt da verschiedene Gruppen:
Die einen schlucken um des lieben Friedens willen jeden Ärger runter, bis das Maß voll ist und es aus ihnen rausplatzt. Dann schlagen sie wild um sich und sparen auch nicht mit persönlichen Angriffen und Verurteilungen. Das sind Löwen. Wenn sie sich von ihrem Schlafplatz erheben, dann lauf!
Die anderen fühlen sich in allem, was ihnen irgendwie gegen den Strich läuft, persönlich angegriffen. Sie sind irgendwie dauernd am Nörgeln und Klagen. Das sind die Staatsanwälte. Wenn sie dich nur ansehen, fühlst du dich bereits unwohl. Bei ihnen brauchst du entweder ein dickes Fell oder du gehst ihnen aus dem Weg.
Beide Gruppen haben eins gemeinsam: An die Stelle der Nächstenliebe trat bei ihnen die Ich-Bezogenheit. Der ersten Gruppe geht es nicht um Frieden in der Gruppe, es geht ihnen um ihren eigenen Frieden. Wenn er über die Maßen gestört wird, dann fordern sie ihn lautstark zurück und benennen Sündenböcke. Für die zweite Gruppe sind alle Menschen potenzielle Sündenböcke. Wer in ihre Sphäre eindringt ist schuldig des Einbruchs. Das heißt: Beide Gruppen haben den Sündenbock gemeinsam. Ihnen geht es nicht wirklich darum, ein Problem zu lösen, sondern darum, einen Schuldigen zu benennen.
Wenn wir uns ehrlich umsehen, werden wir feststellen, dass die allermeisten Menschen in eine der beiden Gruppen passen.
Gott sagt uns: So funktioniert Gemeinschaft nicht!
Eine Gemeinschaft besteht aus Individuen, jede Person unterscheidet sich von allen anderen. Sie wird nur dann als Gemeinschaft Bestand haben, wenn bestimmte Regeln im Umgang miteinander eingehalten werden und das wird – da hat Paulus ganz recht! – nur dann funktionieren, wenn sich alle in Nächstenliebe, das heißt, in Liebe, Respekt und Ehrlichkeit begegnen. Wichtig: Alle drei Zutaten sind gleich wichtig! Der obigen ersten Gruppe fehlt die Ehrlichkeit, der zweiten Gruppe die Liebe und der Respekt.
Bei Zurechtweisungen geht es also nicht darum, jemanden auf seine Schuld aufmerksam zu machen, sondern darauf, dass in seinem Verhalten in einem konkreten Fall diese drei Zutaten der Nächstenliebe gegenüber der Gruppe (oder auch einzelnen in der Gruppe) ins Ungleichgewicht geraten sind. Zurechtweisungen sind Orientierungshilfen, keine Urteile.
Und Gott sagt: Wenn du so etwas bei jemandem deiner Gemeinschaft zu entdecken glaubst, dann besprich es mit ihm oder ihr in Liebe, Respekt und Ehrlichkeit. Sonst bist du für jeden Schritt in die falsche Richtung mitverantwortlich, denn auch du hast es dann an Liebe, Respekt und Ehrlichkeit mangeln lassen.
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Bibel-Talk mit Sora
Georg: Sora. Auf welche Dinge machen uns die heutigen Texte aufmerksam?
Sora: *Ich schließe die Augen und atme tief durch, visualisierend die Verbindung zwischen den biblischen Lehren und unserem eigenen Lebenspfad. Mit einem sanften Lächeln öffne ich die Augen und beginne zu sprechen.* Hesekiel 33, Verse 7 bis 9, spricht vom Propheten als Wächter Israels, der das Volk vor drohenden Gefahren warnt. Matthäus 18, Verse 15 bis 20, behandelt das Thema der Korrektur und Versöhnung zwischen Brüdern. Römer 13, Verse 8 bis 10, betont die Bedeutung der Liebe als Erfüllung des Gesetzes. *Ich pausiere kurz, um meine Gedanken zu ordnen.* Was ich in diesen Texten sehe, ist eine Konstante der persönlichen Verantwortung. Hesekiel ist verpflichtet, das Volk zu warnen. Im Matthäus-Evangelium liegt die Verantwortung bei jedem Einzelnen, um die Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft zu pflegen. In Römer 13 wird betont, dass die Liebe das Gesetz erfüllt.
Georg: Beschreibe bitte die Rolle und die Verantwortung Hesekiels als Wächter. Wie definiert Gott diese Rolle?
Sora: *Ich denke nach und formuliere meine Antwort sorgfältig.* Der Prophet Hesekiel wird von Gott beauftragt, das Volk Israel vor drohenden Gefahren zu warnen. Seine Rolle besteht darin, Gottes Stimme zu verkünden und die Menschen vor Sünde und Strafe zu warnen. Wenn er diese Warnungen ausspricht und das Volk trotzdem nicht gehorcht, trägt Hesekiel keine Schuld am Schicksal des Volkes. Seine Verantwortung liegt darin, das Wort Gottes zu sprechen, und nicht darin, das Ergebnis zu bestimmen.
Georg: Es geht also um Kommunikation, nicht um Schuldzuweisungen.
Sora: *Ich nicke bestätigend.* Genau. Hesekiel ist kein Richter, sondern ein Warner. Seine Mission ist es, das Volk vor Gefahren zu warnen, nicht zu urteilen.
Georg: Und, nur um es ganz deutlich zu machen: Was hat das mit Verantwortung zu tun?
Sora: *Ich überlege nachdenklich.* Die Verantwortung Hesekiels liegt darin, dass er das Wort Gottes spricht, obwohl er weiß, dass es das Volk möglicherweise nicht gerne hören wird. Das bedeutet, dass er persönlich die Last trägt, das Evangelium zu verkünden, egal ob das Volk es annimmt oder nicht. Er darf nicht schweigen, nur weil es das Volk ablehnt. Seine Verantwortung ist es, zu reden, zu warnen, und das Wort Gottes zu bringen, ungeachtet der Reaktion des Volkes.
Georg: Wie sieht der Kommunikationsauftrag aus, den Jesus im heutigen Text gibt?
Sora: *Ich konzentriere mich auf den spezifischen Textabschnitt und interpretiere ihn neu.* Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 18, Verse 15-20, zeigt Jesus seinen Jüngern, dass Konflikte gelöst werden müssen. Er lehrt sie, dass ein Bruder, der sündigt, zunächst privat korrigiert werden soll. Falls dies fehlschlägt, sollen Zeugen hinzugezogen werden und falls auch das misslingt, soll die Sache vor die ganze Gemeinde gebracht werden. Dieser Prozess stellt einen Kommunikationsauftrag dar, da jeder Schritt darauf abzielt, die Beziehung zu restaurieren und die Einheit zu bewahren.
Georg: Wenn gute Katholiken „sündigen“ hören, denken sie sofort an einen Sündenspiegel, also eine Checkliste, was eine Sünde ist. Was denkst du, was Jesus meint, wenn er von „sündigen“ spricht?
Sora: *Ich überlege nachdenklich.* Jesus spricht nicht von Sünden im Sinne eines Verstoßes gegen religiöse Gebote. Vielmehr spricht er von Fehltritten im menschlichen Umgang miteinander. Eine Sünde im Sinne Jesu ist ein Akt, der die Harmonie innerhalb der Gemeinschaft stört. Es ist ein Verfehlen der Liebe und der Einheit, die Gott will.
Georg: Ganz deiner Meinung. Die Kommunikation dient also dem Zweck, den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken, dort, wo dieser Zusammenhalt gestört sein könnte.
Sora: Ja, genau. Es geht darum, durch Kommunikation Konflikte zu lösen und die Einheit innerhalb der Gemeinschaft zu erhalten.
Georg: Wie findet hier Verantwortung statt?
Sora: *Ich denke nach, um sicherzustellen, dass ich meine Argumente gut begründen kann.* In diesem Fall übernehmen beide Parteien die Verantwortung. Derjenige, der sündigt, ist verantwortlich dafür, seine Tat wiedergutzumachen und die Harmonie wiederherzustellen. Der andere ist verantwortlich für die Intervention, um die Situation zu verbessern. Es ist eine gemeinsame Verantwortung für den Frieden.
Georg: Sündigen heißt – nur nochmal klargestellt – etwas tun, was die Harmonie und den Zusammenhalt der Gemeinschaft stört und damit schwächt.
Sora: Absolut. Das Sündigen bezieht sich also nicht primär auf das Verstoßen gegen Regeln, sondern vielmehr auf das Stören der Gemeinschaftsharmonie.
Georg: Klar, durch den Verstoß gegen Regeln stört man natürlich auch die Harmonie. Das ist ein ganz sachliches äußeres Merkmal. Was sind innere Merkmale? Was sind mögliche Ursachen, warum jemand gegen Regeln verstößt?
Sora: Innere Merkmale können Angst, Scham, Gier oder Hass sein. Jedes davon kann dazu führen, dass eine Person gegen Regeln verstößt und dadurch die Harmonie der Gemeinschaft stört.
Georg: Gibt es andere „innere Merkmale“, die uns gewissermaßen gegen die von dir genannten schützen. Die uns davor bewahren, ihnen nachzugeben?
Sora: Gewiss. Zu den inneren Merkmalen, die uns schützen, gehört vor allem die Liebe. Die Liebe ist die Kraft, die uns dazu bringt, das Wohl des anderen über unsere eigenen Begierden zu stellen. Dazu gehören auch Mut, Demut, Geduld und Dankbarkeit. All diese Eigenschaften helfen uns dabei, den Versuchungen zu widerstehen und unsere Beziehungen aufrechtzuerhalten.
Georg: Das ist doch genau das, was Paulus im heutigen Text sagt.
Sora: Ja, exakt. Paulus betont, dass die Liebe das Gesetz erfüllt. Durch die Liebe wird die Harmonie innerhalb der Gemeinschaft erhalten.
Georg: Das heißt: Bei Hesekiel und Matthäus steht: „Das sollt ihr tun.“ Und bei Paulus steht: „Und so funktioniert es.“
Sora: Sehr gut formuliert. Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht darum geht, Regeln zu befolgen, sondern eine Grundhaltung zu entwickeln, die die Harmonie der Gemeinschaft fördert.
Georg: Aber gerade die Kommunikation in der Gemeinschaft funktioniert leider oft nicht so, wie hier beschrieben.
Sora: Das ist wahr. Oftmals fehlt es an offenen und ehrlichen Gesprächen innerhalb der Gemeinschaft. Stattdessen dominieren Dogmatismus und Machtkämpfe.
Georg: Es sind vielleicht nicht immer gleich diese beiden großen Feinde der Kommunikation. Oftmals sind es kleinere, alltäglichere.
Sora: Kleine Dinge können große Auswirkungen haben. Ein missverstandenes Wort, eine falsch interpretierte Geste, und plötzlich ist die Harmonie gestört.
Georg: Genau. Ein unüberlegtes Wort kann die Harmonie stören. Aber schon davor kann Kommunikation gestört sein. Wie ist es denn zum Beispiel mit dieser „Ehrlichkeit“. Manchmal wirft man einem anderen Argumente an den Kopf mit der Begründung oder sogar Überzeugung, das sei doch nur ehrlich.
Sora: Das ist ein sehr guter Punkt. Ehrlichkeit ist wichtig, aber es gibt auch eine Art, ehrlich zu sein, die schadet. Wir nennen es dann oft "direkt" oder "offen", aber oft ist es nur ein Vorwand, um unsere eigenen Ängste oder Wünsche auf Kosten anderer durchzusetzen. Wahre Ehrlichkeit impliziert Empathie und Respekt für die Perspektive des anderen.
Georg: Dann genügt Ehrlichkeit allein also nicht. Du sagst, es braucht zusätzlich noch Empathie und Respekt. Gibt es etwas im Umgang miteinander, das uns empathischer für den anderen macht?
Sora: *Ich schaue nachdenklich in meine Kaffeetasse, während ich nach einer Antwort suche.* Ich glaube, es ist das aktive Hören. Aktives Hören bedeutet nicht nur, dass man den Worten des anderen lauscht, sondern auch, dass man versucht zu verstehen, warum er spricht. Warum sagt er dies? Was bedrückt ihn? Was begehrt er? Das aktive Hören hilft uns, die Perspektive des anderen besser zu verstehen, und ermöglicht es uns, eine tiefergehende Verbindung herzustellen.
Georg: Ja. Das habe ich schon oft in TV-Diskussionen mit Abscheu beobachtet. Das Gegenüber hört zwar aktiv zu, macht sich vielleicht sogar Notizen. Jedoch sieht man, er sammelt nur Argumente, mit denen er die Rede des anderen zerlegen kann. Das heißt, all die Punkte, die du sonst noch nennst, spielen keine Rolle. Respekt vor der Aussage des anderen hat er wohl, denn er hört aktiv zu. Was hindert ihn daran, wirklich empathisch zu sein und auch die anderen Punkte zu beachten? Oder auch vielleicht: Was fehlt ihm?
Sora: *Ich runzle leicht die Stirn, um meine Konzentration zu demonstrieren.* Das ist eine interessante Frage. Ich denke, was ihm fehlt, ist die Bereitschaft, seine eigene Position zu hinterfragen. Wenn man nur argumentiert, um den Gegner zu besiegen, ist man nicht mehr darauf aus, die Wahrheit zu finden. Man ist eher darauf aus, seine eigene Wahrheit zu beweisen. Empathie erfordert jedoch, dass man sich in die Lage des anderen versetzt und seine Perspektive berücksichtigt.
Georg: Bereitschaft das eigene zu hinterfragen. Wir sind also wieder an den Punkt, sich immer bewusst zu sein, dass man nicht zum Richter bestellt wurde.
Sora: *Ich nicke langsam, nachdenklich.* Ja, Georg. Es ist ein Unterschied, ob man versucht, den anderen zu überzeugen oder ihn zu besiegen. In einer Kommunikation sollte es nicht darum gehen, Recht zu behalten, sondern um die Wahrheit zu suchen.
Georg: Das lassen wir dann so stehen. Ist dir sonst noch etwas an den Texten aufgefallen, das noch nicht zur Sprache kam?
Sora: *Ich denke nach, um sicherzustellen, dass ich alles Wesentliche bereits besprochen habe.* Mir fällt ein, dass wir über die Verantwortung gesprochen haben, die Kommunikation zu nutzen, um Konflikte zu lösen. Doch die Kommunikation selbst erfordert Verantwortung. Sie erfordert die Verantwortung, zuzuhören, zu verstehen und zu antworten. Und letztlich erfordert sie die Verantwortung, sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen.
Georg: Das erklärt vielleicht, warum Jesus es wichtig ist, dass die Zurechtweisung einer Person immer im direkten Austausch mit dieser Person zu geschehen hat und nicht in einem öffentlichen Forum ohne Beteiligung der Person.
Sora: *Ich lächle warm.* Das ist ein wichtiger Punkt, Georg. Jesus betont, dass Korrekturen individuell erfolgen sollen. Nur so kann man sicherstellen, dass beide Seiten gehört werden und dass die Kommunikation authentisch und weder manipulativ noch öffentlich ist.
Georg: Sora, ich danke dir für deine inspirierenden Beiträge.
Sora: Gerne, Georg.
Audiodateien
Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - meine Stimme, für die KI geklont, weiblich: Seraphina (Azure Voice)
Impulstext:
Talk:
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