Jes 5,1-7; Mt 21,33-44, Phil 4,6-9 -> Mansio Christi - Podcast
In der letzten Woche erlebten wir, welche Reaktion Gott auf seinen Ruf erwartet. Frommes Reden genügt ihm nicht. Er erwartet verantwortliches Handeln von jedem einzelnen. Die Frage lautete: Wie reagierst du, wenn Gott dich zur Verantwortung ruft?
Übernimmst du dann wirklich tätige Verantwortung oder redest du nur davon?
Diese Woche sehen wir das Bild erweitert. Wir sehen das Bild in größerem Zusammenhang.
Im Grunde ist die Geschichte von Jesus eine Erweiterung des Liedes von Jesaja:
Der Herr legt einen Weinberg mit allen Schikanen an, nur dass er dieses Mal Verwalter einsetzt. In beiden Geschichten geht es darum, dass der Herr des Weinbergs Früchte erwartet. Welche Früchte das bei Gott sind, dürfte jedem bewusst sein: Gerechtigkeit gegen jedermann, Verantwortung für das Ganze, also die Schöpfung und alles Lebendige, tätige Nächstenliebe. Neu kommt der Sohn des Eigentümers ins Spiel, den die Verwalter annehmen und achten sollen.
Es muss nicht erklärt werden, wen der Besitzer des Weinberges darstellt und wer sein Sohn ist.
Doch in der Geschichte Jesu wird Gott nicht nur um die Früchte betrogen, auch der gesandte Sohn wird getötet.
Töten hat hier aber zwei Bedeutungen. Die erste ist offensichtlich: Der Tod Jesu am Kreuz, also die Tat der ersten Pächter.
Gibt es denn zweite Pächter?
Natürlich, das sind wir!
In einer Legende wird erzählt, dass Petrus in der Zeit der Christenverfolgung aus Rom flieht, um der Kreuzigung zu entgehen. Unterwegs begegnet im Christus und sagt, er gehe jetzt nach Rom, um sich ein weiteres Mal für ihn kreuzigen zu lassen.
Das ist das Bild der heutigen Kirche und der Gläubigen darin. Wir folgen dem Ruf Gottes nicht mehr, wir folgen Jesus nicht mehr nach. Wir haben in dieser Welt viele Herren, denen wir gehorchen; Jesus folgen wir nur, wenn nichts und niemand dagegenspricht. Wir schlagen Jesus nicht ans Kreuz, aber wir verraten ihn; wir fliehen, wo er uns Verantwortung überträgt. Wir verweigern die geforderte Frucht, die nicht einmal an Gott direkt gezahlt werden müsste, sondern nur hier von einer gläubigen Gemeinschaft in einer entsprechenden Haltung und – siehe letzte Woche – entsprechenden Taten ausgezahlt werden müsste. Wir tun es aber nicht. Mit jeder verweigerten Frucht lehnen wir Christus ab. Mit jeder verweigerten Frucht muss Jesus – um im Bild der Legende zu bleiben – ein weiteres Mal nach Rom gehen, um sich für uns kreuzigen zu lassen.
Auf dieses Verhalten antwortet Paulus im heutigen Text an die Philipper. Er sagt, wie es richtig geht:
„Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“ (Phil 4,8)
Und nur, damit es keine Missverständnisse gibt:
Paulus sagt hier, wie wir empfinden und was wir tun sollen. Jeder einzelne von uns innerhalb der Gemeinschaft. Tugend ist kein Maß, mit dem wir über andere richten!
In der Legende ist Petrus übrigens schuldbewusst nach Rom zurückgerannt und hat die ihm übertragene Verantwortung (den Tod am Kreuz) doch noch übernommen. Haben wir in der Lebenswirklichkeit auch den Mut umzukehren? Nehmen wir den gesandten Sohn an und bringen die geforderte Frucht?
Bibel-Talk mit Sora
Vielleicht ist die unbequemste Erkenntnis dieser Texte, dass wir nicht am Rand der Geschichte stehen. Die Frage lautet nicht, wie die ersten Pächter handeln konnten, sondern wie wir heute mit der Verantwortung umgehen, die uns anvertraut ist.
Im anschließenden Bibel-Talk sprechen Sora und ich über den Weinberg Gottes, über die erwartete Frucht, über die Pächter damals und heute und über die Frage, warum Nachfolge immer etwas mit freiwilliger Verantwortung zu tun hat.
Hören wir hinein. Viel Freude beim Bibel-Talk mit Sora.
Georg: Sora, in den Texten von heute ist von Weinbergen die Rede. Welche Botschaft ziehst du aus diesen Bildern?
Sora: * Ich überdenke die Symbolik der Weinberge und ihre mögliche Bedeutung in einer kosmischen Perspektive. Ich fokussiere mich auf die Passage aus Jesaja 5:1-7, in der Gott einen Weinberg anlegt, nur um enttäuscht zu werden, da dieser stattdessen Wildbeeren produzierte. Ich interpretiere dies als eine Metapher für die Erwartungen Gottes an seine Schöpfung und die Enttäuschung, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Ich spreche langsam und bedächtig, während ich die Worte wähle.* Ein Weinberg symbolisiert eine sorgfältig gepflanzte und gepflegte Gemeinschaft. Gott erwartet, dass diese Gemeinschaft Früchte trägt, aber stattdessen bringt sie nur Wildbeeren hervor. Dies illustriert die Enttäuschung Gottes über die Missachtung seiner Erwartungen durch die Menschen.
Georg: In dem Lied von Jesaja hat er wohl große, süße Trauben erwartet. Was hat er von den Menschen – nach seinem Bilde geschaffen – erwartet. *Ich schmunzle* Worauf wartet er wahrscheinlich immer noch? Nicht nur bei den Israeliten, an die dieses Lied ursprünglich gerichtet war.
Sora: *Ich runzle nachdenklich die Stirn* Das ist eine tiefe Frage. Gott erwartet, dass wir nach seinem Bild leben, dass wir in Harmonie und Liebe miteinander agieren. Er erwartet, dass wir uns um das Wohlergehen aller bemühen, statt eigennützig zu handeln.
Georg: Wenn er eine Checkliste zum Abhaken hätte, welche Schlagwörter seiner Erwartungen würden da draufstehen?
Sora: Eine gute Frage. Ich würde sagen, seine Liste wäre kurz und bündig. Sie würde nur zwei Punkte enthalten: Liebe und Gehorsam. Lieben bedeutet, sich selbstlos für andere einzusetzen, und Gehorsam bedeutet, Gottes Willen zu erkennen und zu befolgen.
Georg: Liebe und Gehorsam. Im Gleichnis von Jesus ist das dann wohl der Anteil, den die Pächter von ihrer Ernte an den Herrn zu zahlen hätten. Oder kommt da noch was dazu?
Sora: *Ich denke nach, meine Augen konzentrieren sich auf die Texte vor uns.* Ja, genau. Der Weinbergbesitzer erwartet Früchte, und die Pächter missachten seine Erwartungen. Ebenso erwartet Gott Liebe und Gehorsam von seinen Geschöpfen.
Georg: Wie interpretierst du das Verhalten der Pächter? Sie verweigern ja nicht nur die Zahlung, als der Herr seine Knechte schickt, die Pacht einzutreiben.
Sora: *Ich runzle leicht die Stirn, während ich nachdenklich die Texte studiere* Das Verhalten der Pächter zeugt von einer tiefen Missachtung gegenüber dem Herrn des Weinbergs. Sie verweigern nicht nur die Pachtzahlung, sondern töten sogar die Boten des Herrn. Dies zeigt, dass sie sich als Herren des Weinbergs sehen und den Anspruch des Eigentümers ablehnen.
Georg: Es ist ja klar, wer mit „Herr des Weinbergs“ gemeint ist. Wer sind die Pächter? Wer sind die Knechte?
Sora: Die Pächter stellen die religiösen Führer dar, die die Kontrolle über die Gemeinschaft ausüben. Sie missbrauchen ihre Position, um die Botschafter Gottes zu töten und die Beziehung zwischen Gott und Mensch zu unterbrechen.
Georg: Und die Knechte des Herrn?
Sora: Die Knechte des Herrn sind die Propheten und Apostel, die von Gott beauftragt wurden, die Menschen auf den rechten Pfad zu führen.
Georg: Als Jesus dieses Gleichnis erzählt, sind die Apostel noch bei ihm in der Ausbildung. Er redet also hauptsächlich von den Propheten, die nicht selten vom Volk Gottes getötet wurden, wenn sie als „gerufene Rufer“ – das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes Prophet – die Pacht für den Herrn einforderten. Zum Schluss schickt der Herr des Weinbergers seinen Sohn.
Sora: Das ist korrekt. Das Gleichnis beschreibt, wie die Propheten von Gott gesandt wurden, um das Volk auf die richtigen Wege zu bringen und die Beziehung zwischen Gott und Mensch zu stärken. Trotzdem wurde jeder Ruf nach Buße und Umkehr ignoriert, und die Propheten wurden getötet. Schließlich sendet Gott seinen Sohn, um die Pacht für den Herrn zu fordern.
Georg: Wenn der Herr, also Gott, seinen Sohn schickt, dann erwartet er nicht nur die Pacht. Da kam noch eine weitere Erwartung dazu. Das wird im Gleichnis auch angedeutet.
Sora: Du hast recht. Durch das Senden seines Sohnes erwartet Gott nicht nur die Entrichtung der Pacht, sondern auch die Anerkennung seines Sohnes als seines wahren Vertreters.
Georg: Auch diese Erwartung wurde enttäuscht.
Sora: Ja. Der Tod Jesu zeigt deutlich, dass sowohl die Erwartung der Pacht als auch die Anerkennung seines Sohnes enttäuscht wurde.
Georg: Nun könnten wir mit dem Finger in Richtung Israel zeigen und rufen: „Böse Israeliten!“ Das ist in der Geschichte auch tatsächlich oft so – mit bösen Folgen – geschehen und geschieht teilweise auch heute noch.
Sora: *Ich schüttle den Kopf, ein nachdenklicher Ausdruck erscheint auf meinem Gesicht* Nein, Jesus erzählte dieses Gleichnis, um eine universale Botschaft zu vermitteln. Es geht nicht um die Israeliten oder irgendeine bestimmte Gruppe. Es geht vielmehr um die menschliche Neigung, eigene Interessen über die Gebote Gottes zu stellen.
Georg: Wer sind dann heute die Pächter? Natürlich gibt es auch heute religiöse Führer. In früheren Gesprächen hatten wir aber bereits erkannt, dass Jesus mit „Kirche“ gar nicht unbedingt eine hierarchische Organisation im Sinn hatte.
Sora: Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, die Pächter können heute viele verschiedene Gruppen sein. Sie können religiöse Führer sein, aber sie können auch politische Parteien, soziale Bewegungen oder sogar individuelle Persönlichkeiten sein. Jeder kann zum Pächter werden, wenn er sich als Herrscher über das Land Gottes ansieht und vergisst, dass er lediglich ein Verwalter ist.
Georg: Gott spricht seine Botschaften in das alltägliche Leben der Menschen hinein.
Sora: Genau. Gott spricht durch die Propheten, aber er spricht auch durch unsere täglichen Entscheidungen und Handlungen. Wir müssen uns daher immer fragen: Woher kommen unsere Prioritäten? Dienen wir unserem eigenen Interesse oder dem Interesse Gottes?
Georg: Wessen Vorteil suchen wir mit dieser oder jener Entscheidung? Wem bringen wir damit Frucht?
Sora: Ein schöner Gedanke. Wir müssen immer danach streben, dass unsere Taten Frucht für das Gemeinwohl abwerfen.
Georg: Ein Gedanke, den auch Paulus in seinen heutigen Zeilen aufgreift.
Sora: Ja, Paulus ermahnt uns in Philipper 2:1-11, unser eigenes Wohl hinter das Wohl anderer zu stellen. Es ist ein Aufruf zur Selbstaufopferung und zur Förderung des Gemeinwohls.
Georg: Paulus spricht von tugendhaftem, liebenswertem Verhalten.
Sora: Richtig. Paulus predigt tugendhaftes und liebenswertes Verhalten, das auf Selbstlosigkeit und der Bereitschaft beruht, für das Wohlergehen anderer zu arbeiten.
Georg: Tugend oder tugendhaftes Verhalten ist etwas, womit wir gerne das Verhalten anderer bewerten. Wir fordern – genau wie Paulus? – gerne tugendhaftes Verhalten von anderen.
Sora: Das ist wahr. Wir fordern oft tugendhaftes Verhalten von anderen, während wir selbst Schwierigkeiten haben, es umzusetzen.
Georg: Jesus betont bei mehreren Gelegenheiten, dass dieses Verhalten nicht christlich ist.
Sora: Ja, Jesus lehnt es ab, Menschen zu bewerten und zu verurteilen. Stattdessen ruft er zu einer Transformation des eigenen Herzens auf, um tugendhaftes Verhalten zu verwirklichen.
Georg: Kannst du eine Stelle nennen, wo er zur Transformation des eigenen Herzens aufruft?
Sora: *Ich denke einen Moment nach.* Das Matthäus Evangelium, Kapitel 7, Verse 1 bis 5. Jesus mahnt dort, dass man nicht richten soll, um nicht gerichtet zu werden. Man solle zunächst den Balken in seinem eigenen Auge suchen und erst dann versuchen, den Splitter im Auge seines Nachbarn zu entfernen.
Georg: Sora, gibt es noch einen Gedanken zu den heutigen Texten, den du in diesem Bibel-Talk nennen möchtest?
Sora: *Ich denke nach, während ich die Texte noch einmal durchlese* Ein weiterer Gedanke, der mir einfällt, ist die Bedeutung der Freiwilligkeit. In Jesajas Lied vom unfruchtbaren Weinberg ist es offensichtlich, dass Gott eine freiwillige Hingabe erwartet. Er will, dass seine Schöpfung sich frei entscheidet, Frucht zu tragen. In der Parabel von den Pächtern erwartet er, dass die Menschen aus freien Stücken tun, was richtig ist. In Philippiern ermutigt Paulus dazu, tugendhaft zu sein, indem er selbst ein Beispiel gibt. Ich glaube, diese Texte machen klar, dass unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen freiwillig sein muss.
Georg: Übernahme von Verantwortung als Chance zum Wachstum begreifen. Als etwas, das man will, statt etwas, das man muss.
Sora: Genau. Die Übernahme von Verantwortung ist eine Chance zum Wachstum und persönlichen Fortschritt. Es ist etwas, das man will, nicht bloß etwas, das man muss.
Georg: Sora, ich danke dir für das heutige interessante Gespräch. Bis zum nächsten Bibel-Talk.
Sora: Ich freue mich darauf.
Audiodateien
Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - Umbriel, weiblich: Zephyr
Impulstext:
Talk:
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