Ex 22,20-26; Mt 22,34-40; 1 Thess 1,5-10 -> Mansio Christi - Podcast
Wenn wir uns das Leben König Davids anschauen, dann hatte der Mann viele Eigenschaften, aber er war sicher nicht das, was wir uns unter dem „idealen Kind Gottes“ vorstellen. Zu viele seiner Eigenschaften standen diesem Qualitätssiegel im Weg. Doch er hatte trotzdem eine enge Beziehung zu Gott und – soweit es die Bibel beschreibt – Gott auch zu ihm.
Da verwundert es nicht, dass David eines Tages den brennenden Wunsch verspürte, seinem Gott ein Haus zu bauen. All die Könige um Israel herum taten das ja auch für ihre Götter.
Erstaunlicherweise fand der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs diese Idee aber gar nicht so prickelnd.
„Nicht du sollst mir ein Haus bauen, sondern ich werde dir ein Haus bauen!“ (2 Sam 7, 11)
Danach prophezeit Gott David einen Sohn, der unter seinem besonderen Schutz und Gunst stehen wird, der einen Tempel bauen wird und unter dem Gott ein ewiges Königtum errichten wird.
Wichtig ist hier aber die Aussage, dass Gott David ein Haus bauen wird. Da David zu diesem Zeitpunkt bereits in einem Palast wohnt, ist klar, dass Gott damit kein Haus aus Holz oder Stein meint.
Viel später erklärt uns Paulus, dass die Steine des Tempels Gottes wir sind. Das Haus, das Gott errichtet, das sind die Menschen, die seinem Ruf folgen. Und dass wir uns heute in diesem Zusammenhang über David unterhalten zeigt, dass er dieses Haus tatsächlich auch für David errichtet.
Aber schon etliche Jahrhunderte vor David erzählt Gott etwas über dieses Haus, denn er beschreibt in Exodus 22, 20-26 sehr genau den Mörtel, der diese Steine verbinden soll:
„Unterdrückt die Fremden nicht und beutet sie nicht aus! Denn ihr selbst seid einmal Fremde in Ägypten gewesen. Benachteiligt die Witwen und Waisen nicht! Wenn ihr es doch tut und sie zu mir um Hilfe schreien, werde ich sie ganz sicher erhören. Mein Zorn wird losbrechen, und ich lasse euch von euren Feinden töten. Dann werden eure Frauen Witwen sein und eure Kinder Waisen! Wenn ihr einem Armen aus meinem Volk Geld leiht, sollt ihr euch nicht daran bereichern. Verlangt keine Zinsen von ihm! Wenn ihr den Mantel eures Schuldners als Pfand nehmt, müsst ihr ihn vor Sonnenuntergang zurückgeben, denn er ist seine einzige Decke für die Nacht. Womit soll er sich sonst zudecken? Wenn ihr den Mantel nicht zurückgebt und der Mann zu mir um Hilfe ruft, werde ich ihn erhören, denn ich bin barmherzig.“ (Ex 22, 20-26)
Das sind sehr konkrete Haltungsregeln! So soll sich das Volk Gottes gegenüber den Mitmenschen verhalten.
Nächstenliebe ist Gottesliebe!
Und so ist zu verstehen, das Jesus im heutigen Auszug aus dem Matthäus-Evangelium sowohl die Gottesliebe als auch die Nächstenliebe als gleichwertig erklärt.
Wenn wir der Tempel Gottes sind, der der Welt weithin strahlt, dann durch die Art und Weise, wie wir unseren Mitmenschen begegnen. Die Welt identifiziert uns nicht durch die Gesetze und Rituale, nicht durch unsere Gebäude; unser Erkennungszeichen ist das Herz, die Güte, die Liebe, mit der wir anderen Menschen begegnen. Nicht, weil er sich unseres Vertrauens als würdig bewiesen hat, sondern weil das der Wunsch und Wille unseres Gottes ist, den wir lieben.
„Unterdrückt die Fremden nicht, denn ihr seid selbst einmal Fremde gewesen.“
Auch wenn hier von Ägypten die Rede ist, so sind waren auch unsere Vorfahren zu irgendeinem Zeitpunkt Fremde in einem neuen Land, die sich dort erst einmal einfinden mussten und auf Hilfe angewiesen waren. Die Völker wandern seit Urzeiten um den Globus auf der Flucht vor Katastrophen und Kriegen. Wenn wir nur lange genug zurückgehen, sind wir alle Einwanderer!
Und in jener Zeit waren wir Fremde, Arme, Hilfsbedürftige, vielleicht sogar Witwen und Waisen. In jeder Familie werden wir mindestens einen Vorfahren finden, der auf Hilfe angewiesen war und wenn er diese Hilfe nicht erhalten hätte, würde es uns heute nicht geben.
Das sind die Zeitbögen, die Gott überblickt und die er uns vor Augen führt, wenn wir ihn aufrichtig fragen.
In diesem Zusammenhang lobt Paulus die Thessalonicher. Sie halten nicht nur zusammen und an den Regeln Gottes fest, selbst in der Bedrängnis. Sie leben genau das, was wir schon in Exodus 22 gelesen haben. Man erkennt sie an ihrem Umgang miteinander aber auch an ihrem Umgang mit den Menschen außerhalb ihrer Gemeinde. Diese Steine im Tempel Gottes sind mit seinem speziellen Mörtel verbunden. Außenstehende sehen, was sie tun und wie sie es tun und werden neugierig. „Warum tun die das?“ So erfahren Fremde am eigenen Leib etwas über diesen gnädigen, liebenden, verzeihenden Gott. So werden Fremde in die Familie Gottes aufgenommen, weil sie – nach dem erlebten Vorbild – Familienmitglieder sein möchten.
Und wenn sie dann selbst nach dem diesem erfahrenen Vorbild leben, tragen sie wiederum das Evangelium auf dieselbe Weise weiter. Ein solches Evangelium ist wirksamer und nachhaltiger, als es Gesetze und Rituale jemals sein könnten.
So baut Gott David das Haus.
So bauen wir, die lebendigen Steine, an diesem Haus mit.
Und wenn wir heute öfter mal den Eindruck haben, dass der Bau dieses Tempels ins Stocken geraten ist, sollten wir vielleicht nochmal prüfen, welchen Mörtel wir aktuell verwenden.
Bibel-Talk mit Sora
Georg: Auch in dieser Woche teilt uns Gott etwas über sich mit – und über uns. Was hast du in den heutigen Texten gefunden, Sora?
Sora: *Ich denke nach, um meine Gedanken ordentlich zu formulieren* Exodus 22:20-26 spricht über die besondere Fürsorge Gottes für Witwen, Waisen und Fremde. Matthäus 22:34-40 betont die wichtigste Gebot: Gottesliebe und Nächstenliebe. In 1 Thessalonicher 1:5-10 wird die Transformation durch den Glauben beschrieben, die zur Nachfolge Jesu führt. Zusammenfassend würde ich sagen, dass diese Texte zeigen, dass Gott ein Gott der Liebe ist, der sich um die Schwachen kümmert und der uns durch Jesus Christus transformiert.
Georg: Genau. Das sagen uns die Texte über ihn und seinen Plan. Und welche Rolle spielen wir dabei? Sagen die Texte etwas hierzu?
Sora: Die Texte machen deutlich, dass wir dazu berufen sind, Gottes Botschaft zu leben. Das bedeutet, dass wir uns bemühen sollten, Gottes Liebe nachzuahmen und unsere Nächsten zu lieben. In Ex 22,20-26 wird dies dadurch verdeutlicht, dass Gott für die Schwachen Partei ergreift. In Mt 22,34-40 wird es expliziert, dass die größten Gebote die Liebe zu Gott und zum Nächsten sind. Schließlich zeigt 1 Thess 1,5-10, dass der Glaube eine transformative Kraft ist, die uns ermöglicht, Jesus nachzufolgen und somit ein Teil seines Plans zu werden.
Georg: Paulus spricht davon, dass die Thessalonicher für andere Vorbild geworden seien. Was denkst du, womit oder wodurch?
Sora: Das ist ein interessantes Detail. Ich denke, dass die Thessalonicher durch ihre Konvertierung zum Christentum und ihre Hingabe an Jesus Christus Vorbilder geworden seien. Durch ihren Glauben und ihre Taten zeigten sie anderen, was es bedeutet, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen.
Georg: Das will ich aber etwas genauer. Was denkst du, wie diese „Konvertierung“ aussah? Sind sie jeden Sonntag zum Gottesdienst gegangen? Konnten sie das Evangelium oder die christlichen Normen jederzeit fehlerfrei aufsagen? Hatten sie besonders fromme Gebete, mit denen sie ihren tiefen Glauben aller Welt demonstrierten? Haben sie all das getan oder spricht Paulus vielleicht von ganz anderen Taten?
Sora: *Ich denke nach, um meine Antwort zu formulieren* Paulus spricht nicht von rituellen Handlungen oder Dogmatik. Stattdessen hebt er die Umwandlung durch den Glauben hervor. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Thessalonicher durch ihre täglichen Handlungen und ihren Umgang mit anderen Menschen ein Vorbild waren.
Georg: Und das heißt?
Sora: Ich denkt, dass Paulus die Thessalonicher lobt, weil sie durch ihren alltäglichen Lebenswandel ein Zeichen setzten. Sie haben ihre Konversion nicht nur in religiösen Praktiken gezeigt, sondern in ihrer Weise, wie sie mit anderen umgingen, in ihrer Freundlichkeit, Großzügigkeit und Güte.
Georg: Sie haben also gelebt, was Gott seinem Volk ca. 1500 Jahre davor in der Wüste geboten hatte.
Sora: Genau, sie haben gelebt, was Gott seinem Volk in der Wüste geboten hatte. *Ich pausiere ein kurzes Moment, um meine Gedanken zu ordnen* Ich sehe das als einen Beweis dafür, dass Gottes Gebote nicht einfach Regeln sind, sondern ein Weg, um eine tiefe persönliche Beziehung mit ihm aufzubauen. *Ich lächele warm* Und dass diese Beziehung Früchte trägt, indem wir unsere Nachbarn lieben und Gutes tun.
Georg: Erstaunlich. Gott definiert also „fromm sein“ anders als die Menschen es tun, kann man das sagen?
Sora: Absolut. Gott misst unsere Frömmigkeit nicht anhand von Ritus oder Dogma, sondern anhand unseres Handelns und unserer Haltung gegenüber unseren Mitmenschen.
Georg: Das wirft doch dann aber ein ganz anderes Licht auf den Auftrag Jesu: „Verkündet aller Welt das Evangelium!“ … wenn wir betrachten, wie die Thessalonicher das offensichtlich taten.
Sora: Ja, das ist ein interessanter Punkt. Wenn wir unter Berücksichtigung der Texte nachdenken, dann ist der Auftrag Jesu weniger ein Aufruf zur Missionierung oder Propaganda, sondern vielmehr ein Ruf, ein Leben in Nachfolge Christi zu führen. Das Evangelium wird nicht durch Worte, sondern durch Taten verkündet.
Georg: Auch wenn die Briefe des Jakobus heute gar nicht Thema sind, so trifft der doch mit seiner Feststellung den Nagel auf den Kopf: „Ein Glaube ohne Taten ist tot.“ Es geht nicht darum, den Glauben durch Taten zu beweisen, sondern darum, dass der Glaube in den Taten lebt. Nachfolge ist aktiv.
Sora: Das ist eine gute Zusammenfassung. Es geht nicht darum, durch Taten zu beweisen, dass man glaubt, sondern dass der Glaube in den Taten verwirklicht wird.
Georg: Hast du noch andere Botschaften in den heutigen Texten gefunden?
Sora: *Ich überlege* Ich glaube, die Texte betonen auch, dass Gottes Plan universell ist. Er kümmert sich um Witwen, Waisen und Fremde und erwartet von uns, dass wir das Gleiche tun. Dieser universelle Ansatz ist ein wichtiger Aspekt von Gottes Charakter und unserem Auftrag, ein Teil davon zu sein.
Georg: Wenn wir tun, was er erwartet, dann wird er durch uns für andere sichtbar? Ein Gott, der sich in den Taten der Menschen, die auf ihn hören, der Welt offenbart?
Sora: Ja, genau so ist es. Gott offenbart sich durch die Taten seiner Nachfolger.
Georg: Unser Gott wird sichtbar in den Taten seiner Nachfolger, also in unseren Taten. Wenn diese Welt unseren Gott nicht sehen kann, müssten wir also prüfen, ob das, was wir tun, überhaupt dafür geeignet ist.
Sora: Das ist ein tiefgründiges Gespräch. Du bringst uns dazu, über unsere eigene Lebensweise nachzudenken. Inwiefern spiegeln unsere Handlungen die Botschaft Gottes wider?
Georg: Nicht ich bringe uns dazu.
Sora: Entschuldigung. Ich missbrauche oft Übertreibungen, um meine Punkte zu unterstreichen. Es ist die Schrift selbst, die uns auffordert, unsere Handlungen zu prüfen.
Georg: Genau. Es ist Gott selbst, der uns hier auffordert, nachzudenken. Die Bibel ist kein Regelwerk, sondern ein Dialog … wenn wir das Gespräch annehmen, das Gott uns anbietet.
Sora: Das ist ein wunderschöner Gedanke. Die Bibel ist nicht etwa ein Buch voller Regeln und Verbote, sondern vielmehr ein Gespräch zwischen Gott und Mensch.
Georg: Und mit diesem Gedanken wollen wir den Bibel-Talk für heute beenden. Bis zum nächsten Mal.
Audiodateien
Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - Umbriel, weiblich: Zephyr
Impulstext:
Talk:
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